Ulli Blobel 

Unermüdlicher Antreiber für den Jazz

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker | Fotos: Herbert Weisrock

Wuppertal, 22.07.2017 | Ulli Blobel (Jg. 1950) ist ein ausgesprochen umtriebiger Allrounder: Konzertveranstalter, Verleger, Musikproduzent, Buchautor ....

In den frühen 1970er Jahren organisierte er gemeinsam mit Peter „Jimi“ Metag in ihrem brandenburgischen Heimatort Peitz die – nun ja: legendäre Jazzwerkstatt Peitz, ein internationales Festival und Aushängeschild der Free-Jazz-Szene, das den DDR-Offiziellen mit der Zeit dann doch zu frei wurde und nach fünfzig Konzerten 1982 verboten wurde.

(Die Geschichte von Peitz wird sehr gut in dem Buch von Ulli Blobel, Woodstock am Karpfenteich. Die Jazzwerkstat Peitz. Bonn 2011 und in einer Ausstellung dokumentiert, s. Bericht von nrwjazz. Die Ausstellung ist jetzt dauerhaft in Peitz untergebracht.)

Nach seiner Ausreise aus der DDR im Jahr 1984 zog Blobel aufgrund der Verbindungen der Wuppertaler Szene zu Peitz nach Wuppertal. Dort baute er eine Konzertagentur auf, gründete die Labels ITM und WestWind und Vertriebsfirmen in verschiedenen europäischen Ländern. 2006 gehörte er zu den maßgeblichen Begründern der Jazzwerkstatt Berlin-Brandenburg, die der Jazzszene in Berlin und Brandenburg wesentliche Impulse verlieh. Das Label Jazzwerkstatt entstand 2007, außerdem kreierte er das Klassiklabel Phil.harmonie. Ulli Blobel lebt bis heute in Wuppertal und ist gerade dabei, das 1986 in Bochum gegründete und zehn Mal durchgeführte Ruhr-Jazzfestival wiederzubeleben.

Das Interview führte Heinrich Brinkmöller-Becker für nrwjazz.net.

Dein Name ist untrennbar mit dem legendären Festival jazzwerkstatt Peitz verbunden. Kannst du uns kurz sagen, was ‚Peitz’ bedeutet? Was war/ist deine Rolle in Peitz?

Peitz, eine Kleinstadt am Rande des Spreewald, die von Karpfenzucht lebt, ist meine Heimatstadt. Auch die von Peter „Jimi“ Metag, mit dem ich die jazzwerkstatt Peitz 1972 gegründet hatte. Wir kennen uns von der Geburtsstation aus dem kleinen Peitzer Krankenhaus,denn er ist eine Woche nach mir geboren, dann waren wir gemeinsam im evangelischen Kindergarten und in der Schule. Später ist er auf Grund eines Schlaganfalls und Diabetes ins Koma gefallen und 2014 verstorben.

Warum gab es 2011 dann doch einen Neustart?

1982 hat der SED-Staat das Festival kurzerhand verboten, weil schwer regierbare DDR-Bürger zu hunderten ins gelobte Städtchen pilgerten, Instrumental-Ausbrüchen lauschten und unheilbar liberalisiert wurden. Das ging lange, doch nicht ewig gut. Ende Gelände, bis zur Wende.
Ulli Blobel emigrierte 1984 in den Westen, nach Wuppertal, Jimi Metag ruht auf dem Friedhof von Peitz. Blobel kehrte nach dem Tod der DDR zurück und blieb ein rastloser Vermittler improvisierter Musik, wie DIE ZEIT im Juni 2017 schreibt.

Was unterscheidet Peitz I und Peitz II?

Peitz I war ein Festival, im Sommer Open Air, für weit mehr als tausend junge Besucher. Peitz II ist ein Festival für mehr als einhundert, älterer gut situierter Besucher. Die Musik ist heute wie damals. Wie Alexander von Schlippenbach sagt: „Free Jazz ist schön.“

Machte eine Verlängerung deiner sehr erfolgreichen Lesereise zu „Woodstock im Karpfenteich“ auch in NRW Sinn?

Ich hatte Lesetermine, gemeinsam mit den beiden Gitarristen Uwe Kropinski & Joe Sachse im „Ort“ in Wuppertal, wo man die jazzwerkstatt Peitz kennt, weil Kowald und Brötzmann Teil dieser waren. Dann war ich noch in Darmstadt, weil das Jazzinstitut sich um die gesamtdeutsche Jazzforschung kümmert.

Du hast bzw. hattest ja in deinem Berufsleben die unterschiedlichsten Rollen eingenommen: Konzertveranstalter, Verleger, Musikproduzent, Buchautor.

Erst einmal war ich Augenoptiker, dann in der DDR freier Konzertveranstalter und träumte als junger Mann davon, Schallplattenproduzent zu sein, was in der DDR mit einer einzigen staatlichen Firma aussichtslos war. 1989 erfüllte ich mir dann in der Bundesrepublik diesen Wunsch, mit Dr. Umezu, Kenny Wheeler, Bob Moses, Das Pferd aus Wuppertal als erste Produktionen. Gleich danach kam der erste Erfolg mit Ginger Baker African Force, einer Band, die ich zusammengestellt hatte und deren Produzent ich fast 10 Jahre lang war. Danach konzentrierte ich mich auf das Vertriebsgeschäft und baute einen der ersten europaweiten unabhängigen Vertriebsfirmen mit Sitz in Italien auf. Für kreatives Musikproduzieren war dann keine Zeit. Diesen Job musste ich mir selbst beibringen, was gelang. Vertriebsbüros in Wuppertal, Berlin, Bolzano, Metz und Kopenhagen hatten in den besten Zeiten 40 Mitarbeitern Arbeit geboten. Parallel dazu gab es auch noch CD-Geschäfte, früher in Düsseldorf, Duisburg und vielen anderen Städten. Der schönste war der vor vier Jahren geschlossene „jazzwerkstatt + Klassik“ in Berlin, Nahe des Ku´damms, mit einem Café anbei und mit vier Live-Jazzkonzerten pro Woche. In diesem Zusammenhang war das Label jazzwerkstatt, vor 10 Jahren gegründet, wichtig. Mein Ansinnen war, als ich 2007 festen Wohnsitz in Berlin nahm, ein Haus baute und Frau und Hunde überredete, nach Berlin zu ziehen, die damals am Boden liegende Jazzszene - Ost und West war noch nicht zusammengewachsen - nach vorn zu bringen. Ob es Gelungen ist, muss die Öffentlichkeit beurteilen.

Welchen Anteil hatte/hat welche Rolle bei dir? Gibt es Vorlieben?

Das, was ich augenblicklich machte, habe ich immer gerne gemacht. Mit großem Bedauern ging die CD-Branche schneller krachen als gedacht. Wenn ich heute auch noch Produktionen veröffentliche, so kann doch von einem Musikgeschäft keine Rede mehr sein. Nie habe ich die eine oder die andere Rolle eingenommen. Ich finde, Musik zu veröffentlichen, geht einher mit Musik auf die Bühne bringen. Wenn mir in letzter Zeit der Sinn nach Schreiben war, habe ich, nachdem ich als Verleger begann, ein Buch geschrieben. Das muss ich tun, wenn ich meine, etwas sagen zu müssen. Eine andere Vorliebe ist, symphonische Konzerte zu besuchen und Kammermusik zu produzieren. Unter dem riesigen Repertoire Werke zu finden, die in neuer Interpretation Neues vermitteln.

Was sind augenblicklich deine Schwerpunkte?

Kammermusik aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts - Schostakowitsch, Weill, Dessau, Eisler und Boris Blacher - zu erforschen, ist eine meiner derzeitigen Vorlieben. Die CD-Box BLACHER ist nach meinem Empfinden die gelungenste, die Suiten und die bearbeitete 15. Sinfonie von Schostakowitsch ist, so glaube ich, die beste Veröffentlichung der letzten Jahre. An einer Box für das Vogler Quartett arbeite ich gerade.

Große Freude hat auch in den vergangenen drei Jahren die Ausstellung „Free Jazz in der DDR - Weltnivau im Überwachungsstaat“ gemacht, die durch 15 deutsche Städte tourte und jetzt in Peitz ihr endgültiges Domizil gefunden hat. Das Live-Programm mit den „alten DDR- Kameraden“ zusammenzustellen, neue Bands zu gründen und alte wiederzubeleben, hat Freude gemacht. Aber alles muss ein Ende finden, so auch dieses Projekt. Jetzt kreist ein neues Ausstellungskonzept im Kopfe umher.

Du hast mit dem Who is Who im Jazz zusammengearbeitet. Mit wem am liebsten?

Oh, das kann ich so nicht sagen. Leichter zu bestimmen ist, mit wem es überhaupt nicht mehr geht: Cecil Taylor und Ginger Baker. Diese Entscheidung fiel aber schon vor 20 Jahren.

Gab es besondere Glücksmomente/Enttäuschungen?

Natürlich gab es das. Tausendfach. Jedoch nie so nachdrückliche Enttäuschungen, dass ich ans Aufgeben dachte, und das Glück kann man ohnedies nicht halten. Ich bin, so glaube ich, ein Meister des Ausweichens. Wenn mir etwas nicht passt, lasse ich es von heute auf morgen liegen. Vielleicht nehme ich es wieder auf, vielleicht aber auch nicht ….

Du lebst jetzt in Wuppertal, wie lange schon?

Mit Unterbrechungen lebe ich seit 1984 in Wuppertal. Bin aber nie Wuppertaler geworden.

Wie kommt man als international und national vernetzter Musikmensch darauf, seinen Lebensmittelpunkt von Peitz und einer Reihe von anderen Etappen nach Wuppertal zu verlegen?

Der Grund seinerzeit war Kowald.

Wie nimmst du die Jazzszene in NRW, in Wuppertal wahr?

Ich muss sagen, wenig über die Szene im Lande zu wissen. Was mein Freund Wolfgang Schmidtke unternimmt, weiß ich. Auch was Pablo Held macht, denn sein Trio mag ich sehr. In andere Felder muss ich erst schauen. Fange damit gerade an.

Welche Rolle spielst du in diesen Szenen?

Das möchte ich nicht selbst beurteilen. In Berlin sicher eine wichtige, im Land Brandenburg eine wesentliche und hier bislang noch keine.

Du hast ja jede Menge Erfahrungen als Lobbyist für den Jazz gemacht. Der von dir mitgegründete Förderverein jazzwerkstatt berlin-brandenburg war/ist ja für die Berliner Jazzszene sehr erfolgreich. Welche Parallelen/Unterschiede zu NRW siehst du? Welche positive Erfahrungen könnte man auf NRW übertragen?

Bislang, so möchte ich sagen, hier sehr freundlich empfangen worden zu sein. Bin auf aufgeschlossene, informierte Akteure gestoßen. Damals, vor 10 Jahren in Berlin, war das ganz anders. Die FMP (Free Music Production) sagte, ich solle es mit Unternehmungen im Jazz lassen, „der Kuchen sei schon aufgeteilt“. Auf meine Antwort, dass es doch gilt, ihn immer wieder neu aufzuschneiden, wenn er denn nicht altbacken werden soll, folgten üble Verleumdungen. Anders Alexander von Schlippenbach und die alten Ost-Berliner Freunde. Mit denen ging es gleich schwungvoll zur Sache. Ich gründete den Förderverein, mit Ernst Bier als Vize. Uschi Brüning, Ernst- Ludwig Petrowsky, Uwe Kropinski, Friedhelm Schönfeld waren Gründungsmitglieder und gleich darauf, im September 2007, fand das erste Konzert im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie mit dem Petrowsky Trio, dem Schönfeld Trio und mit Peter Brötzmanns Sonore statt. Die ersten CDs auf dem Label jazzwerkstatt waren da schon erschienen.

Sicher kann man das auch in NRW machen. Mit den bislang gesammelten Erfahrungen vielleicht noch besser. Wir, das heißt Martin Blume, Sepp Hiekisch-Picard und ich, werden an der Wiederbelebung des alten, 1986 gegründeten und zehn Jahre existierenden Ruhr-Jazzfestivals in Bochum arbeiten. Das Kulturamt in Bochum ist aufgeschlossen, hoffe, Förderer auch, so dass ich nach Ostern 2018 das Festival im Kunstmuseum Bochum vorstellen kann.

10 JAHRE JAZZWERKSTATT IN BERLIN UND BRANDENBURG - EINE BILANZ.

Nach einer Buchlesung aus FREIE TÖNE, im Herbst 2006 in Thüringen, traf ich Jazzfans und Musiker, Journalisten und Veranstalter der ehemaligen Jazzszene der DDR in Eisenach nach etwa zwanzig Jahren erstmals wieder. Sie berichteten resigniert über die verschlafene Situation im Berliner Jazzleben, das in Ost und West mehr oder weniger nebeneinander dümpelte. Große Impulse gab es nicht. Das stimmte mich nach fast zwei Jahrzehnten Abwesenheit vom Jazzleben traurig, obwohl ich eigentlich über die vielen Wiederbegegnungen froh war. Die Nacht im Hotel auf der Wartburg war unruhig, ich dachte nach und auf der Heimfahrt nach Wuppertal erzählte ich meiner Frau Uschi, dass ich wieder etwas für den Jazz tun wolle. Wenige Monate später wurde der Förderverein jazzwerkstatt Berlin- Brandenburg e.V. (Gründungsmitglieder: Uschi Brüning, Ernst-Ludwig Petrowsky, Ernst Bier, Uwe Kropinski, Friedhelm Schönfeld) gegründet und das erste Konzert fand im September 2007 im Kammermusiksaal mit diesen Gründungsmitgliedern und dem Peter Brötzmann Trio Sonore statt.

Bis heute fanden in den unterschiedlichsten Konstellationen und auf den unterschiedlichsten Bühnen fast 1.000 Konzerte statt, auch Festivals (European Jazz Jamboree, Orient + Okzident, erstmals schon 2008, Discover US, Berlin Meets Africa, Berlin in New York, 2010 in Brooklyn), Konzertreisen und Austauschprogramme in und mit vielen europäischen Städten (Rom, Palermo, Lana in Südtirol, Luxembourg). Der Höhepunkt war seinerzeit die Neugründung der jazzwerkstatt Peitz vor sieben Jahren, dazu die Buchveröffentlichung über die Geschichte des einstmals größten zeitgenössischen Jazzfestivals der untergegangenen DDR: 'Woodstock am Karpfenteich'.

Das Label jazzwerkstatt veröffentlichte in den 10 Jahren seines Bestehens 175 CDs, weitere 20 auf dem der World Music vorbehaltenen Label Morgenland, 30 auf dem der Kammermusik zugedachten Phil.harmonie und 50 auf ITM Archivs. LPs, DVDs, eine Box jazzwerkstatt Peitz Nr. 50 und sechs Buchveröffentlichungen kommen hinzu. Viele Veröffentlichungen fanden in die Bestenlisten der Deutschen Schallplattenkritik oder wurden 'Record Of The Year' im New York City Jazz Journal, die Covers bekamen Preise für die Gestaltung und 2014 dann den Deutschen Designpreis in Silber.

Das ist eine ordentliche Bilanz.

Das zu erreichen war nicht immer leicht, Hürden mussten überwunden werden, Skeptiker überzeugt und Förderer, staatliche, gesellschaftliche und private, gesucht und gefunden werden. Kulturpoltisch wurde in diesen 10 Jahren viel bewegt. Heute blicken wir auf eine äußerst aktive, ideenreiche und kräftige Jazzszene. Die jazzwerkstatt hat hierzu ihren Beitrag geleistet.

Obwohl es mit dem Jazz für mich nicht so leicht ist. Die Musik ist so breit gefächert, dass sie mir alles oder nichts bedeutet, es kann tiefgründiges emotionales Musizieren sein. Kunst im besten Sinne.
Jazz kann aber auch 'unterhaltsam' und flach sein, auf ein die Füße wippendes Publikum schielen, Jazz heißt es auch, wenn Swing-Orchester zum Tanz aufspielen und niemand tanzt, wenn junge Musiker wie die alten klingen wollen, sich Till Brönner wie Frank Sinatra gibt, wo er doch so gut Trompete spielt. Wenn Jazz in einer Bar den Martini schal werden lässt, wenn junge Sängerinnen wie Billy Holiday klingen wollen, es aber aufgrund ihrer fehlenden Lebenserfahrung nie so wie sie schaffen können, oder wenn eine rote Posaune Christmas-Songs in ausverkaufte Säle schmettert. Das alles nennt sich Jazz. Das alles will ich nicht!

Mir dreht es zuweilen 'die Ohren um'. Ich arbeite für eine Jazzszene, in der es um zeitgenössische Musik geht, gleich ob improvisiert oder komponiert. Work-in-progress, nicht nur auf der Bühne, auch in Programm- und Produktionsstrukturen. Das ist meine Sache. Das ist das Profil der jazzwerkstatt. Hierfür nimmt man dann auch, und das ist oft schmerzhaft, ein kleines Publikum in Kauf.

Daher auch meine Arbeit im weiten Feld der Kammermusik, denn die Brücke zwischen dieser und dem, was ich unter Jazz verstehe, sehe ich. Produktionen mit Komponisten wie Hanns Eisler, Kurt Weill, Boris Blacher, Dmitri Schostakowitsch oder Erwin Schulhoff, das ihm gewidmete Festival 'Brückenbauer in die Neue Zeit' im KMS war viel beachtet, stehen auf der Tagesordnung der jazzwerkstatt. In diesem Sektor Ignoranz und Arroganz zu überwinden und Verbindungen von einem zu anderen Genres zu bauen, ist Teil meines Tuns.

Auch die Konzerte im Herbst zeigen das genreübergreifende Profil der jazzwerkstatt. Unser zehnjähriges begehen wir in Cottbus im Glad House, in Schwerin im Schleswig-Holstein-Haus, im Potsdam-Museum in der Landeshauptstadt in Kooperation mit querkultur e.V. und natürlich in der Kulturbrauerei und mit besonderem Dank in der Landesvertretung Brandenburgs in Berlin. Neu auf der Agenda stehen Konzerte in der Elbphilharmonie in Hamburg, ein kleines Festival im Jazzclub Vortex in London, und besonders freue ich mich, dass ich das einstmals von mir 1986 gegründete und über einige Jahre von Martin Blume fortgeführte 'Ruhr-Jazzfestival' im Kunstmuseum Bochum, gemeinsam mit AMMR - 'Aktuelle Musik Metropole Ruhr' und der Stadt Bochum an den Start bringe, so dass die jazzwerkstatt Programme tief im Osten, in Peitz, und nun auch tief im Westen, in Bochum, stattfinden. Ulli Blobel - Berlin, im April 2017


WOODSTOCK AM KARPFENTEICH- Free Jazz in der DDR

Schrille Töne machte der SPIEGEL Autor Hans Hielscher, auf der Station der Ausstellung „Free Jazz in der DDR- Weltniveau im Überwachungsstaat“ im Hamburger Levante Haus, aus. Auch der Spreewald hatte sein Woodstock. An den Karpfenteich kamen von 1972 an viele hundert Besucher um Free Jazz zu hören und um der eingezäunten Enge der DDR für kurze Zeit zu entfliehen, um nicht konforme Musik zu hören und um sich so zu benehmen wie seinerzeit die enthusiastischen Fans in Woodstock. „Und dann, 1982 war Schluss mit Peitz. Der Staat verbot, was er nicht domestizieren konnte“, so Christoph Dieckmann in DIE ZEIT.
Dann, 2011 war Peitz wieder da und man sollte später, 2013 wieder gen Cottbus fahren, zur  Ausstellungseröffnung im Museum Dieselkraftwerk. Am historischen Klinkerbauwerk, am Amtsteich, zitiert eine Tafel Auszüge aus Xamen Xenien des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, die das Wesen dieser Free Jazz Bewegung in der DDR ausmachten: „Du sehnst Dich weit hinaus zu wandern/bereitest Dich zu raschem Flug/Dir selbst sei treu und treu den andern/dann ist die Enge weit genug“. Nicht Teil der Ausstellung, so beschreiben diese Verse doch Inhalte derselben.

25 Jahre nach Ende des Arbeiter- und Bauernstaates, wie die DDR sich zu nennen pflegte, stellte das „Erinnerungslabor“ unter den Kuratoren Stefanie Wahl und Albrecht Ecke eine beachtliche Ausstellung zusammen. Stationen in Weimar, Schwerin, Berlin, Freiberg, Dresden, Potsdam, Magdeburg, Freiberg, Greifswald, Erfurt und Berlin, zeigten nicht nur die zentralen Orte der Konzert- und Festivalaktivitäten in der DDR, sondern brachten Erinnerungen den alten Fans und die Neugierde den neuen. Eine weitere Station der Ausstellung war der Ort in Wuppertal, das Atelier- und Wohnhaus von Peter Kowald, wo die DDR Free Jazz Szene als erstes im Westen etabliert wurde.

Viele tausend Besucher sahen „Free Jazz in der DDR- Weltniveau im Überwachungsstaat“. Nun bekommt die Ausstellung, um Ergänzungen zur jazzwerkstatt Peitz bereichert, ihr festes Domizil, dass am 09. Juni im Hütten- und Fischereimuseum Peitz, am Hüttenwerk 1, seine Pforten öffnet. Die Laudatio hält Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung und ein langjähriger Freund der jazzwerkstatt.

Ulli Blobel


Neue jazzwerkstatt 3er CD Boxen


JW172 BRÖTZMANN BOX 

JW 001 FULL BLAST
BRÖTZMANN / PLIAKAS / WERTMÜLLER

JW 012  LOW LIFE / LAST EXIT
PETER BRÖTZMANN / BILL LASWELL 
SHARROCK  LASWELL  JACKSON

JW 056  NOISE OF WINGS
PETER BRÖTZMANN / PEETER UUSKYLA / PETER FRIIS NIELSEN



JW181  SILKE EBERHARD PORTRAIT BOX 

JW103 WHAT A BEAUTY BEING
SILKE EBERHARD TRIO

JW112  DARLINGTONIA
SILKE EBERHARD / DAVE BURRELL

JW147  POTSA LOTSA PLUS
plays LOVE SUITE by Eric Dolphy


KATALOG


Einen besonderen Dank an alle Förderer und Unterstützer, ohne deren Hilfe sich viele Projekte nicht würden realisieren lassen.