Phil 06034 | VOGLER QUARTETT | 3 CD BOX + 56 S. Booklet mit 27 Fotos
VOGLER QUARTETT + ZANDRA McMASTER & MICHAEL McHALE
Kompositionen von ANTÓN GARCÍA ABRIL, ERNEST CHAUSSON, HANS WERNER HENZE, MAURICIO KAGEL, MAURICE RAVEL, OTTORINO RESPIGHI, KURT WEILL und JÖRG WIDMANN
TIM VOGLER Violine / FRANK REINECKE Violine / STEFAN FEHLANDT Viola / STEPHAN FORCK Violoncello + ZANDRA McMASTER Mezzosopran + MICHAEL McHALE Piano


BORIS BLACHER IST HEUTE NAHEZU VERGESSEN

ach den schwierigen Jahren der Nazi-Herrschaft, behindert durch Lehr- und Aufführungsverbot,

jüdische Wurzeln, als musikalisch entartet abgestempelt und teilweise im Untergrund lebend, wurde er einer der wichtigsten Nachkriegs-Komponisten der Bundesrepublik. Er war eine bedeutende Figur des Kulturlebens von West-Berlin: Präsident und Lehrer an der Hochschule für Musik und Präsident der Akademie der Künste, Berlin. Er war extrem neugierig, wollte weg von der deutschen Wahrheits-, Bedeutungs- und Gefühlsduselei hin zu russischen, französischen und asiatischen Einflüssen seiner Kindheit. Entgegen der Darmstädter Schule um Adorno fühlte er sich sehr zum Jazz hingezogen, und blieb immer eigenständig,- nie einer 'Schule' oder Bewegung zugehörig. War er zur Zeit seines Todes auf den Berliner Spielplänen ausgiebig vertreten - seine Paganini Variationen war eines der meistgespielten Werke des 20. Jahrhunderts, - kennt man heute vielleicht noch manchmal den Namen... "ach ihr Vater war Komponist?" . Ich schreibe dies als Musiker, nicht als Sohn. Wie die vorliegenden CDs zeigen, sind es wunderbare, handwerklich vollendete Kammermusikwerke, deren Zeit sicher wiederkommen wird. Die 24 Préludes, für seine Frau Gerty Herzog kurz vor seinem Tode geschrieben, zeigen sein enormes Facettenreichtum, und man kann sie sicher als 'zeitlose' Werke betrachten,- Werke, die auch außerhalb ihrer Zeit Bedeutung haben werden. Schließlich sollen diese CDs eine Hommage für Gerty Herzog sein, die im Januar 2014 verstarb. In ihrer pianistischen Karriere, die immer wieder von familiären Unterbrechungen geprägt war, beschäftigte sie sich nach einem konventionellen Anfang vor allem mit Blachers Werken. Ihre Art und ihr Stil, diese Werke zu spielen, sind bis heute einzigartig. Die meisten dieser Aufnahmen stammen aus den Jahren nach Blachers Tod, in denen sie sich, nach längerer Pause, wieder dem Konzertieren widmete. Anbei noch ein Auszug aus einem Interview mit Gerty Herzog von Alexandra Kluge. 
Ich danke allen Musikern, Walter Küssner (auch als Ratgeber) und vor allem Ulli Blobel für die Hilfe, dieses Album zusammenzustellen! 
Kolja Blacher, Berlin im Oktober 2015

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