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JW 212 MATTHIAS AKEO NOWAK KOI SEPTET

HOW DOES ORIGAMI SOUND?


MATTHEW HALPIN - SAXOPHONE & FLUTE

STEFAN KARL SCHMID - SAXOPHONE & CLARINET

SHANNON BARNETT - TROMBONE

SIMON SEIDL - FENDER RHODES PIANO

RIAZ KHABIRPOUR - GUITAR

MATTHIAS AKEO NOWAK - DOUBLE BASS

OLIVER REHMANN - DRUMS


"Origami is to folding, as music is to sound" (Paul Jackson)

Seit 2010 leitet der Bassist Matthias Akeo Nowak das Koi-Trio, das 2012 das gleichnamige Debütalbum und 2014 ein zweites Album mit den Solisten Sebastian Gille und Rainer Böhm veröffentlicht hat. Sein neuestes Projekt 'How does Origami sound?' wurde im Oktober 2020 während der Pandemie realisiert, unterstützt durch die MKW-NRW Soforthilfe 2020 und den Musikfonds e.V. 2021.

Die Faltkunst Origami führt von einfacher Aufteilung eines Papierblattes zu komplexen Gestalten. Diesen Weg versuche ich in meinen Kompositionen zu gehen: Falten und Entfalten, Experimentieren und Generieren von neuem Material aus einer Quelle. Eine Origami Faltstruktur (Crease Pattern) wird zur Vorgabe und Anregung für Klangkonstellationen und zeitliche Abfolgen innerhalb eines Stückes. Mehr Information unter: 'Music and Paperfolding' www.matthiasakeonowak.wordpress.com

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JW 215 AB BAARS - MEINRAD KNEER - BILL ELGART

thrīe thrēo drī

AB BAARS - TENOR SAXOPHONE, CLARINET & SHAKUHACHI

MEINRAD KNEER - DOUBLE BASS

BILL ELGART - DRUMS

Das Trio Baars/ Kneer/ Elgart wurde 2010 von Meinrad Kneer ins Leben gerufen und besteht 2021 also schon im elften Jahr. Nun legt das frei improvisierende Trio ihre dritte CD thrīe thrēo drī vor.

Das Trio hat sich zu einem leistungsstarken Labor für Strategien der freien Improvisation entwickelt. Es weigert sich, sich in irgendeiner strengen Form oder Dynamik festzusetzen, sondern versucht sich wieder und wieder neu zu erfinden, während es trotz seines schnell wechselnden konfrontativen Ansatzes einen spielerischen Fluß behält. Ein Trio aus der obersten Liga der improvisierten Musik.


JW 211 JOE SACHSE SOLO
DIE KLEINE FREIHEIT
JOE SACHSE guitar
VÖ: 30.06.2021

"Die große Freiheit ist es nicht geworden. Es hat beim besten Willen nicht gereicht. ..... die kleine Freiheit — vielleicht! ....."
Mit diesen Zeilen von Erich Kästner wurde 1951 das zweite Münchener Kabarett eröffnet. Nun in Pandemiezeiten nehme ich mir die Freiheit, eine CD herauszubringen. Sie wurde ohne Schnitte, Overdubs und irgendwelche Tricks spontan eingespielt. Für 'Stella by Starlight' habe ich mich kurzfristig entschieden. Dass 'Sophisticated Lady' und 'Sir Duke' zusammengehören, weiß jeder, der den Text von Stevie Wonder kennt. Eigentlich ist diese CD ein mitgeschnittenes Live-Konzert. Der Musiker handelt nach Luthers "Hier stehe ich und kann nicht anders" und zitiert seinen Liebling Karl Kraus: "Der Ästhet verhält sich zur Schönheit wie der Pornograph zur Liebe und der Politiker zum Leben." Joe Sachse

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JW 213 LEE KONITZ & FRANK WUNSCH
AN EVENING WITH LEE KONITZ AND FRANK WUNSCH
LEE KONITZ alto saxophone & vocals
FRANK WUNSCH piano

Lee Konitz war mir schon mit siebzehn ein Begriff. Ich kannte ihn von Birth Of The Cool und den frühen Aufnahmen mit Lennie Tristano. Seine frischen, originellen Linien begeisterten mich. Es dauerte aber viele Jahre, bis ich wieder auf ihn aufmerksam wurde. Es muss Mitte der 80er Jahre gewesen sein, als ich in einer Jazzkneipe in Dortmund, dem 'Jatz', seine Duo-Platte mit Michel Petrucciani hörte. Es durchfuhr mich wie ein Blitz, besonders das Stück I Hear A Rhapsody hatte es mir angetan. Was für ein Ton und wie sorgfältig waren die Linien konstruiert! Von da an war er einer meiner Heroen und ich kaufte alle Platten von ihm, die ich bekommen konnte. Persönlich traf ich ihn das erste Mal 1985 in Essen. Ich spielte im Remy-Filipovitch-Quartett den ersten Teil eines Doppelkonzertes, und Lee gestaltete mit seinem Quartett den zweiten Teil. Es ergab sich ein anregendes Gespräch. Als wir 1986 das erste Mal in Dortmund zusammenspielten, wurde ein Traum wahr. Ich begleitete ihn zusammen mit Gunnar Plümer (Bass) und Christoph Haberer (Drums). In dieser Besetzung spielten wir einige Jahre Tourneen und Konzerte in Deutschland und der Schweiz, 1988 auch bei einem Festival in Madrid und nahmen auch eine CD auf - S'Nice. Schließlich konzentrierten Lee und ich uns mehr auf das Duo-Spiel. Unser erstes Duo-Konzert in Göttingen war nicht ganz geglückt. Ich machte den Fehler, den viele machen, die das erste Mal im Duo mit Lee spielen, ich spielte zuviel. Er sagte zu mir: "Du brauchst mir nicht den Beat zu liefern, den habe ich in mir." Wir diskutierten viel über Musik im Allgemeinen und Improvisation im Besonderen und fanden heraus, dass wir das gleiche Spielideal hatten: die Musik soll immer so klingen, als ob wir sie gerade erfunden hätten, und ein Stück soll bei jeder Aufführung anders klingen.

Ein Höhepunkt unserer Zusammenarbeit im Duo war sicherlich unser Auftritt beim Jazzfestival Frankfurt 1995 - CD The Frankfurt Concert. Lee kannte alle Standards, aber in seinen letzten 25 Jahren spielte er immer dieselben, er schöpfte aus einem Repertoire von etwa 25 Stücken. Er sagte einmal zu mir: "Frank, wenn ich hundert Jahre alt würde, könnte ich immer noch jeden Tag neue Linien über All The Things You Are spielen." Bei dem Mitschnitt unseres Konzertes aus dem Kölner LOFT, welcher auf der vorliegenden CD dokumentiert ist, beginnt Lee mit Alone Together, lässt das Publikum den Grundton singen, pfeift und singt und spielt auf dem Saxophon um die Melodie herum. Lydian Adventure ist meine Soloimprovisation, in der manchmal All The Things You Are sowie mein Stück Lydia anklingen. Out Of The Deep ist unsere Version von How Deep Is The Ocean. Bei Body and Soul setzt Lee am Schluss zu einer seiner berühmten Solokadenzen an, bricht dann aber, warum, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, ab. Ich fand aber, dass diese Version auch ohne die Kadenz inspiriert und hörenswert ist und habe mit Christian Heck den Schluss im Studio bearbeitet. Ganz befriedigend ist er leider nicht geworden, aber mehr war nicht herauszuholen. You're A Weaver Of Dreams geht in eine freie Improvisation über, die zu Subconscious-Lee führt, Lees berühmter Linie über What Is This Thing called Love. Thingin' beruht auf All The Things You Are, wobei die Harmonien ab dem Mittelteil einen Tritonus tiefer gesetzt sind. It's You ist Lees Variation über It's You Or No One.

Das LOFT war an diesem Abend voll besetzt. Charlie Mariano war da und viele Studenten und Dozenten der Musikhochschule. Was sie gehört haben, scheint ihnen gefallen zu haben. Ich hoffe, verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, dass auch Sie viel Freude an dieser Musik haben!
Köln, Mai 2021 - Frank Wunsch

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Phil 06041 ULRICH GUMPERT
ERIK SATIE: TROIS GYMNOPÉDIES

ULRICH GUMPERT SPIELT ERIK SATIE.
Ein Jazzmusiker spielt Erik Satie, ein Klavierspieler und Komponist. Seine Stationen: SOK, Synopsis, die auf internationalen Festivals gefeierte Ulrich Gumpert Workshop Band, das Duo mit Günter Sommer, das Trio mit Radu Malfatti und Toni Oxley. Gumpert spielt im Duett mit Dietmar Diesner, und er spielt seine eigene Pianomusik - schlichte Stücke von großer Eindringlichkeit. Es scheint so, als hätte Gumpert so oder so zu Satie kommen müssen. Saties Musik lebt nicht vom Notentext, sondern von der Haltung. Ein Pianist, dem Saties Wesen fremd ist, kann die Stücke notengetreu abspielen und dennoch bis zur Unkenntlichkeit entstellen. In der Gegend, die ich kenne, kann ich mir keinen besseren Klavierspieler für die frühen Werke Erik Saties vorstellen als Ulrich Gumpert.
Bert Noglik


JW 214 VOLKER JAEKEL
SHORT STORIES VÖ: 30. April 2021

Anfang März 2020 spielte ich mein neues Programm short stories in der Kulturkirche Nkodemus in Berlin. Was ich an diesem Abend noch nicht ahnte, war, dass es mein letztes Solokonzert vor dem Lockdown werden sollte. Kurze Zeit danach wurden fast alle meine geplanten Auftritte für das Jahr 2020 abgesagt, und die Welt um mich herum geriet aus den Fugen. Ich hätte niemals geglaubt, dass wir Musiker ein Jahr später, im Frühjahr 2021, noch immer keine Konzerte vor einem Publikum spielen dürfen.

Diese Zeit war und ist besonders - die Stille mal wohltuend, mal unerträglich.

In meinen short stories erinnere ich mich an inspirierende Reisen und intensive Begegnungen – an all das, was in dieser außergewöhnlichen Zeit so kostbar ist und wird.

Viel Spaß mit meiner Musik und den Collagen von Norbert Guthier.

Vielen Dank der Kulturkirche Nikodemus sowie an Christian, Norbert, Ulli, Herbert, Stephanie, Cora und Susi.

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JW 217 WOLFGANG SCHMIDTKE ORCHESTRA
BIRD VÖ: 30. April 2021

Es gibt in der Kunst bisweilen Persönlichkeiten, bei denen es uns unmöglich ist, den Mensch- die einfache Existenz- und sein/ihr Werk in Relation zu bringen.
Mozart ist so ein Rätsel, egal, ob wir ihn lieben, oder nicht, setzten wir nur die Zahl an Notenblättern, die er schrieb in Verbindung zu seiner Lebenszeit, tun sich große Fragen auf- wann hat er das, wie geschafft? Wenn es im Jazz eine Figur gibt, die ähnlich unerklärbar bleibt, dann ist das Charlie Parker. Er hat recht spät, mit 17 Jahren, begonnen Saxophon zu spielen und hat weder auf diesem Instrument, noch allgemein musikalisch so etwas wie eine fundierte Ausbildung bekommen. Trotzdem hat er das Saxophon so virtuos gespielt, wie niemand

zuvor und mit seinen melodischen Ideen hat er das Vokabular des Jazz vermutlich stärker geprägt, als jeder andere. Das Wort 'Mainstream' wird gern abfällig genutzt, für Spielarten des Jazz, die relativ leicht verstehbar sind, da sie sich
eines oft genutzten musikalischen Vokabulars bedienen. Da ist aber rein gar nichts negativ einzuschätzen. Eine ständig genutzte Umschreibung von Musik generell ist, dass sie eine universelle Sprache ist. Der Umgang mit Sprachen macht aber nur Sinn, wenn ich in der Lage bin, sie zu sprechen und sie zu
verstehen. Charlie Parker hat so viel zu Syntax und Grammatik des Jazz beigetragen, dass es eigentlich keinen zeitgenössischen Jazzmusiker*in gibt, der/die nicht in einer Relation zum Jargon des Bird steht, mal direkt, mal in Anklängen. Natürlich ist es für jede Sprache wichtig, sich mit den Zeitläuften zu wandeln, sonst wäre sie nicht in der Lage, die Atmosphäre, die Realität der Gegenwart zu beschreiben. Diese Wandlungsfähigkeit und der Wille zur Veränderung macht den Dialekt Charlie Parkers aus. Seine harmonische Weitsicht und rhytmische
Raffinesse hatten zu ihrer Zeit eine wahrhaft verstörende Wirkung. Sich seinen melodischen Linien zu widmen, ist ein großes Vergnügen. Sie dabei ins Jetzt zu transferieren, eine Verantwortung ihm, Bird, gegenüber.  Wolfgang Schmidtke

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JW 216 JULIE SASSOON SOLO
IF YOU CAN'T GO OUTSIDE... GO INSIDE

Im Juli 2016 erhielt ich die großartige Gelegenheit, meine Musik in den rbb Kulturradio-Studios in Berlin einzuspielen. Seitdem waren diese Solopiano-Stücke auf meinem Computer verborgen wie ein wohlbehütetes Geheimnis, das auf die rechte Zeit wartet, gelüftet zu werden. Jetzt ist der perfekte Moment.
Beim Spielen von At the Water Tower gelang es mir, eine Sphäre zu erreichen, wo keine Gedanken, nur noch Klang und Energie zugegen waren, ein totales Eintauchen in den Moment. Einen besseren Platz gibt es nicht. Ich erinnere mich, dass gegen Ende dieses Stückes meine Finger spontan auf doppelte Geschwindigkeit zu laufen begannen und mich dahin führten, wo ich noch nie gewesen war. Ich musste ihnen nur folgen und sehen, wohin die Reise mich bringen würde. Da schien es, als ob ich mich von einer anderen Warte aus beobachtete und hörte… als ob sich die Tür zu einer unbegrenzten Energiequelle in mir öffnete. Diese Musik wurde in einer Sitzung eingespielt…keine Nachbearbeitung. Ihr hört das Original. Die Zeit des Lockdowns – abgesagte Auftritte, Zuhause bleiben, Verlangsamung, Selbstreflexion – scheint mir der rechte Moment, diese Musik zu teilen. Eine Musik, die sich nach innen bewegt, um eine innere Welt zu öffnen, weg von Twitter, Likes und Clicks. Julie Sassoon

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Phil 06040 JOHANN SEBASTIAN BACH:
SUITES FOR VIOLONCELLO SOLO NR. 1-6 BWV 1007-1012
MARTIN STEGNER
VIOLA


Gestatten Sie mir ein paar persönliche Anmerkungen:

Für mich ist die Musik Bachs das Vollkommenste, was jemals komponiert wurde.

Lange habe ich mich nicht getraut, diese Musik öffentlich zu spielen, zu großen Respekt hatte ich davor, denn es gibt Millionen von Interpretationsmöglichkeiten- welche ist nun die Richtige? Gibt es in der Musik überhaupt richtig und falsch?

Bei den Cellosuiten ist kein einziger Ton zu viel, keiner zu wenig: Diese Musik ist absolut rein.

Unzählige Stunden verbrachte ich mit den Suiten, an jedem Tag empfand ich sie anders. Hatte ich mich beim Üben aufgenommen, so fand ich am anderen Tag, dass man das Stück so nicht interpretieren darf und kann. Bach kommt mir immer mehr wie ein unlösbares Rätsel vor, es gibt viele Momente, wo man darüber zutiefst verzweifelt ist, aber ich wurde immer süchtiger, so dass mir ein Tag ohne Bach fast wie ein Tag ohne Wetter vorkommt.

Natürlich gibt es Sonnentage aber auch viele trübe Tage und Wochen, manchmal ist man verzweifelt: beim Anhören der Aufnahmen denke ich, was habe ich denn nur monatelang geübt???

Ich habe mich bei der 6. Suite für die Transposition eine Quinte tiefer nach G-Dur entschieden - ursprünglich für ein 5-saitiges Cello komponiert, würden viele Passagen so hoch, dass der Charakter der Bratsche absolut verloren geht: sie klingt dann wie eine sehr schlechte Geige, - zumindest mein Instrument. Bearbeitungen sind immer ein Kompromiss, ich halte diese Variante für den besten.

Warum nun jetzt eine Aufnahme? Die sechs Suiten bereichern mein Leben und machen mich froh, und ich möchte meine Freunde und Hörer daran teilhaben lassen!

Diese Aufnahmen sind ohne Tonmeister entstanden, ich gesellte mich mit meiner Bratsche und vier Mikrofonen in den Saal und spielte. Niemand war da, der uns korrigierte: ich war allein mit meiner Seele, meinen Ohren und der Musik. Jedoch ist eine Aufnahme immer nur ein Abbild eines beschränkten Moments der Inspiration und Interpretation.

Jeder Tag ist anders und hat einen anderen Klang. Ich werde den Kopf schütteln und sagen, dass man Bach so nicht spielen kann. Und wie wird es morgen sein? Martin Stegner - Berlin, 29. Oktober 2020

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JW 209 AZOLIA
NOT ABOUT HEROES

SOPHIE TASSIGNON VOCALS

SUSANNE FOLK ALTO SAXOPHONE / CLARINET / VOCALS

LOTHAR OHLMEIER SOPRANO SAXOPHONE / BASS CLARINET

ANDREAS WAELTI DOUBLE BASS

ALL LYRICS BY WILFRED OWEN

'Krieg zur Beendigung aller Kriege'. So nannte man den Ersten Weltkrieg, als das Ausmaß der Schrecken sichtbar wurde. Mehr als ein Jahrhundert später hat sich dieser idealistische Spitzname mit beunruhigender Häufigkeit als Wunschdenken erwiesen. Auf NOT ABOUT HEROES, dem eindringlichen und hoffnungsvollen neuen Album des Berliner Quartetts AZOLIA, sind die Worte des britischen Dichters Wilfred Owen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu prächtigen Wandteppichen aus intensiver Antikriegshaltung und drängendem Optimismus verwoben.

Owen schrieb seine Gedichte aus eigener Erfahrung. Er wurde 1917 im Kampf verwundet, sein diagnostiziertes 'psychisches Trauma' würde man heute als Posttraumatische Belastungsstörung bezeichnen. Während des Genesungsprozesses im Lazarett schrieb er viele seiner Werke. Im Sommer 1918 kehrte er zu seinem Regiment zurück und wurde einige Monate später in Frankreich getötet. Der Großteil seiner Gedichte wurde posthum veröffentlicht und verlieh seinen bereits ruhelosen Versen jene gespenstische Luft der Weisheit, die über den Tod hinaus sendet.

NOT ABOUT HEROES ist inspiriert von der selbst-verfassten Einleitung zu Owens 1920 erschienener Sammlung Poems, die wie ein missionierendes Statement zu lesen ist: "Dieses Buch handelt nicht von Helden" schreibt er. "Die englische Dichtung ist noch nicht soweit, von ihnen zu sprechen… Allerdings sind diese Klagelieder in keinem Sinne tröstlich für diese Generation. Vielleicht sind sie es für die nächste. Alles, was ein Dichter heute kann, ist warnen. Daher müssen wahre Dichter wahrhaftig sein."

Trotz der Tragik in Owens Erfahrungen und der Finsternis eines Großteils seiner Werke ist es eher Hoffnung auf Frieden als Kriegsangst, die aus AZOLIAS transzendierend hinreißender und faszinierender Musik hervorgeht. Indem sie diese Gefühle in einen so tief bewegenden und erfinderischen Kontext stellt, zelebriert AZOLIA die transformative Kraft der Phantasie, die dem Hörer eine Welt voller Möglichkeiten schenkt.   Shaun Brady • Übersetzung: S. Folk / R. Fidezius

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JW 210 DALGOO LIBERTÉ ÉGALITÉ FRATERNITÉ 

TOBIAS KLEIN ALTO SAXOPHONE / BASS CLARINET / CONTRABASS CLARINET

LOTHAR OHLMEIER TENOR SAXOPHONE / BASS CLARINET

MEINRAD KNEER DOUBLE BASS

CHRISTIAN MARIEN DRUMS

Das Quartett DALGOO wurde 1998 von Tobias Klein und Meinrad Kneer in Amsterdam gegründet. Das Ensemble arbeitete bis zum Jahr 2005 kontinuierlich, veröffentlichte zwei CDs und tourte unter Anderem in Russland und Polen. Im Jahr 2016 machten die Gründungsmitglieder Klein, Kneer und Lothar Ohlmeier gemeinsam mit dem Berliner Schlagzeuger Christian Marien einen Neuanfang und komponierten neues Material für das Quartett.

DALGOO erzählt Geschichten durch seine Musik. Die Gruppe verwendet verschiedene Erzähltechniken aus Literatur, Film und Theater, um ihre Kompositionen und Improvisationen zu strukturieren.

Rückblenden, Schnitte, morphing images, Gespräche und innere Monologe werden in Klänge, Rhythmen und Melodien übersetzt. DALGOO nimmt die Herausforderung an, sich in diesen Strukturen frei zu bewegen. Während der Performance kann eine Geschichte eine neue Richtung einschlagen, ein Witz kann eine andere Pointe bekommen, und die Moral der Geschichte wird sowohl die Musiker als auch das Publikum immer wieder überraschen.

DALGOO spielt Eigenkompositionen. Mit zusätzlicher Perkussion, ungewöhnlichen Instrumentaltechniken und einem Instrumentarium von Saxophonen und

(Kontra-) Bassklarinetten hat die Band einen Reichtum an Klangfarben und Texturen entwickelt, der für ein Quartett sehr außergewöhnlich ist.

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JW 202 RUF DER HEIMAT

SECRETS

THOMAS BORGMANN SOPRANINO- SOPRANO- TENOR SAXOPHONES / HARMONICA
CHRISTOF THEWES TROMBONE / TOYS

JAN RODER DOUBLE BASS
WILLI KELLERS DRUMS / STEELDRUM / PERCUSSION

RUF DER HEIMAT Spiel, spiel, spiel, spiel

1992 – Gründung. Es gibt Leute die spielen Soul oder Blues - die Vier spielen RUF DER HEIMAT. Nicht die Form ist wichtig, sondern die Musiker und ihr Sein - die Form passt sich an. Jeder Ton, ein Statement. Es geht um Kreativität und Improvisation. 1992 ist es soweit. (…) 30 Jahre nach dem Mauerfall hat sich vieles in Deutschland verändert. Die Stimmung ist komplett eine andere. Nicht mehr Aufbruch und Suche, sondern Ungewissheit und Radikalisierung dominieren. Was ist von der Heimat geblieben? Von ihrer Ursprungsidee. Zwei Mitglieder sind nicht mehr dabei – eine neue Besetzung spielt. Die Musik klingt anders, bleibt aber genauso genial. Mehrstimmige Melodien und Rhythmen bestimmen das Klangbild. Der Jazz wird noch mehr zur Heimat. Die Metamorphose gelingt! Die Musik passt in die neue Zeit. „Thewes ist nicht einfach ein Ersatz für das Free-Jazz-Urgestein, sondern verleiht der Band mit seiner Posaune eine völlig neue Dynamik." Wolf Kampmann, Jazzthing 2018 | "Die Männer haben den Groove und den Blues." Fränkische Nachrichten

Was liegt jetzt näher als eine neue CD. Es wird Zeit. "Ruf der Heimat" gründete sich 1992, zunächst nur mit Ernst-Ludwig Petrowsky als zweiten Saxofonisten, dann einige Jahre verstärkt mit Peter Brötzmann, oder auch immer wieder in der erweiterten Formation mit Petrowsky und Heinz Sauer. Dazwischen aber auch Touren mit Charles Gayle, Roy Campbell, Johannes Bauer und Olaf Rupp.www.rufderheimat.de




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JW 192 RYAN CARNIAUX - MIKE ROELOFS - RA KALAM BOB MOSES
JOYOUS FREEDOM

RYAN CARNIAUX TRUMPET & FLUGELHORN
MIKE ROELOFS PIANO / FENDER RHODES PIANO /
MELODION / WHISTLE / BALAFON / VOICE
RA KALAM BOB MOSES DRUMS / PERCUSSION / VOICE

Diese Musik wurde während unserer Sommer-Tournee im Jahr 2019 aufgenommen. Jeder, der die Gelegenheit hatte, bei einem dieser Konzerte dabei gewesen zu sein, kann den magischen Geist bezeugen, der in der Luft lag. Nach jedem Set auf dieser Tournee kam mindestens eine Person zu uns, die von der Musik zu Tränen gerührt war. Für mich war es ein Segen, mit so meisterhaften Musikern und schönen Seelen wie Mike und Ra Kalam kommunizieren und gemeinsam in den multidimensionalen Flüssen der Musik schwimmen zu können. 
Die Musik auf dieser Platte ist heilende Musik. Vibrierende Spiritsounds aus der Seele.  Sie ist unser Ausdruck der Liebe, der Freude und des Mitgefühls für die Welt, zu einer Zeit, in der viele auf sie angewiesen sind. Sie ist ein Fest der Freiheit und der Freude. A Joyous Freedom.     RYAN CARNIAUX


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JW 201 PETER EHWALD DOUBLE TROUBLE
UP, DOWN, STRANGE, CHARM AND BOTTOM

PETER EHWALD SOPRANO & TENOR SAXOPHONE
ROBERT LANDFERMANN DOUBLE BASS
ANDREAS LANG DOUBLE BASS
JONAS BURGWINKEL DRUMS

Up, Down, Strange, Charm and Bottom. Was zunächst klingt wie die Beschreibung von Tanzschritten einer skurrilen Choreographie sind tatsächlich aber die Namen von Quarks. Es heißt, dass kein Quark sich im Atomkern ohne ein entsprechendes anderes Quark in einem anderen Atomkern bewegt, mag dieser andere Atomkern auch auf der anderen Seite der Weltkugel sein. Sogar Phänomene wie die Liebe auf den ersten Blick werden auf solche Vorgänge im Allerkleinsten zurückgeführt.
Wie Kleinstteile im Atomkern pulsieren auch die vier Musiker von Double Trouble umeinander und befeuern ihre Improvisationen. In solcher Dynamik bleibt keine Note im Vakuum stehen, sondern findet ihre Entsprechung und Fortführung in den Linien der Mitmusiker.
Peter Ehwald improvisiert in der Sicherheit, dass gerade das Offene der musikalischen Dramaturgie eben diese spannend und dramatisch werden lässt. Seine Töne finden - charmant, strange oder up and down - in Schwingungen der beiden grandios aufspielenden Bässe ihren Widerhall.
Im Kontrast zu den beiden vorangegangenen Alben von Double Trouble ist Up, Down, Strange, Charm and Bottom weniger durchkomponiert angelegt und fordert Andreas Lang und Robert Landfermann an den Bässen und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug dazu heraus, eigene Umlaufbahnen zu erfinden.
Als gemeinsamer Klangkörper steuert das Quartett durch die Kompositionen Ehwalds mal in mikrokosmischer Dichte, mal in der Entzerrung und entwickelt so eine ganz eigene Klangsprache. Im Kern bleibt das Erbe des Jazz immer anwesend und beflügelt so das stetig Suchende in der Musik von Double Trouble.     DÖRTE FIEDLER, 2020

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JW 207 ANDREAS WILLERS 7 of 8
'THE GOLDMAN VARIATIONS'

MATTHIAS SCHUBERT tenor saxophone
FLORIAN BERGMANN clarinet / bass clarinet / alto saxophone
NIKOLAUS NEUSER trumpet
ANDREAS WILLERS electric & acoustic guitars //
percussion / track 02 // fuzz bass track 07 // banjo / track 11
MEINRAD KNEER double bass
CHRISTIAN MARIEN drums & percussion

JAN LUKAS ROßMÜLLER analogue synthesizer / track 07

7 OF 8 - GOLDMANN'SCHE VARIATIONEN
Die Titel dieser Musikstücke sind ebenso ein Spiel mit Worten wie ihr Inhalt ein Spiel mit musikalischen Idiomen und deren Abstraktion basierend auf dem 30 Jahre alten 'Ground Music'-Konzept ist, entwickelt in der Kompositionsarbeit u.a. für Blue Collar, dem Andreas Willers Octet und Montauk zur angestrebten Weiterentwicklung einer zeitgenössischen europäischen Jazzsprache.
Ich möchte den Unterstützern und Promotern von 7 of 8 und allen Musikern aus der Berliner Szene danken, die in diesem Projekt seit 2013 zu verschiedenen Zeiten aktiv waren.Andreas Willers, Februar 2020

VÖ: 29.03.2020

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JW 206 THE LONGRUN DEVELOPMENT OF THE UNIVERSE #5
HÜBSCH / SCHUBERT / WIERBOS

'FOR MISHA'

CARL LUDWIG HÜBSCH tuba // voice / track 01
MATTHIAS SCHUBERT tenor saxophone
WOLTER WIERBOS trombone

Im Jahr 1994 wurde ich eingeladen, am October Meeting in Amsterdam teil zu nehmen. Dieses Festival präsentierte üblicherweise Mitglieder des ICP Ensembles und auswärtige Gäste.
Mishas Komposition für das October Meeting war ein Mitbringsel von einer vorangegangenen Japanreise: Einige kurze Versatzstückchen übertriebener asiatischer Klischees. Und genauso unbefangen wie Misha komponiert hatte, wurde mit dem Material umgegangen: auf vielfältigste Art und Weise frei und unbekümmert. Einige Zeit später sah ich das ICP Ensemble in Köln spielen und war von der positiven und immer völlig direkten Unbekümmertheit dieser Musiker zutiefst beeindruckt. Es war wie ein Geheimnis, was da auf der Bühne zelebriert wurde, und bei aller Leichtigkeit hatte ich dennoch das Gefühl, dass dies eine sehr tief gehende Musik war, die da gespielt wurde. Jeder Moment des Konzertes schien mir von radikaler, unwiederbringlicher Kostbarkeit.

Nach zwanzig Jahren 'Hübschs Langfristiger Entwicklung des Universums featuring Matthias Schubert und Wolter Wierbos' und nach Mishas Aufbruch in eine ganz andere Welt fand ich nun, dass es an der Zeit sei, ein paar seiner Stücke zu spielen und ihm diese CD zu widmen. Ich glaube, Misha Mengelberg hätte unsere Art, mit seinen Stücken umzugehen, gemocht. Zumindest sagt Wolter, dass es Misha gefallen hätte, und der muss es wissen. Viel Spaß beim Hören. Carl Ludwig Hübsch im Februar 2020

VÖ: 29.03.2020

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JW 182 SEBASTIAN GRAMSS' FOSSILE 3
w./RUDI MAHALL/ETIENNE NILLESEN

'16 TRACKS TO KILL TIME'

RUDI MAHALL bass clarinet & clarinet
SEBASTIAN GRAMSS double bass         
ETIENNE NILLESEN drums
Sebastian Gramss ist noch jung im 'Jazzgeschäft', erst seit etwa 10 Jahren dabei hat er ein beachtliches Tempo vorgelegt. Jetzt ist er einer der Meistbeschäftigsten.
Die erste Fossile 3 hat er selbst vor etwa fünf Jahren veröffentlicht, wie diese auch mit den Bassklarinettisten Rudi Mahall und dem Drummer Etienne Nillesen. Jetzt geht´s einen Schritt weiter, die Musik ist gereift, wie bei den meisten Bands die über Jahre hinweg existieren. So entstanden wunderbare '16 Tracks To Kill Time'. Hören Sie, die Zeit ist nicht verloren.
VÖ: 31.10.2019


JW 204  ACHIM KAUFMANN & YORGOS DIMITRIADIS

'NOWHERE ΟNE GOES'
ACHIM KAUFMANN piano & preparations
YORGOS DIMITRIADIS drums & electronics
Der griechische Schlagzeuger Yorgos Dimitriadis ist ein sensibel auftretender, zurückhaltender Drummer, der gut zuhört, denn das wird beim furiosen und expressiv spielenden Pianisten Achim Kaufmann nötig sein. Trotz dieser scheinbar auf zwei Ebenden sich antastenden, sich näherkommenden Improvisatoren, entsteht in Laufe der Zeit eine dynamische Interaktion, die zu großartiger 'Duomusik' reift.
VÖ: 31.10.2019


JW 203 BRUNO ANGELONI & STEFFEN ROTH

'SPIRALE'
BRUNO ANGELONI tenor & soprano saxophones
STEFFEN ROTH drums
'Spirale' ist ein improvisierendes Duo. Seit 2017 arbeiten sie in Leipzig an einer musikalischen Sprache die ihre Wurzeln im Free-Jazz hat und bringen diese regelmäßig auf die Bühnen der improvisierten Musik. Ihre Konzerte sind eine Ode an die Progressivität, das Wagnis und die Freiheit, die sie selbst beim Spielen wohl am stärksten spüren.


JW 205 - PEITZ - WOODSTOCK AM KARPFENTEICH (DVD)
Ein Film von TIM EVERS und ULLI BLOBEL

› PEITZ - WOODSTOCK AM KARPFENTEICH | 43:47
› ULLI BLOBEL IM INTERVIEW MIT TIM EVERS | 43:35

REGIE: TIM EVERS / SPRECHER: ULLI BLOBEL / KAMERA: JENS STAEDER / STEPHAN ZWICKIRSCH /
TON: ANABELLE POWILLEIT / STEPHAN ZWICKIRSCH / SCHNITT: SERGEJ RANGE
jazzwerkstatt Peitz 55 / 2018 - INTERVIEWS, FOTOS (z.T. von MATTHIAS CREUTZIGER) und mehr…
KONZERTAUSSCHNITTE: jazzwerkstatt FANFARE / ALEXANDER VON SCHLIPPENBACH / THE GLOBE UNITY ORCHESTRA / JOE SACHSE & NILS WOGRAM / VESNA PISAROVIĆ PETIT STANDARD / ELS VANDEWEYER /
THE ART ENSEMBLE OF CHICAGO / HÜBSCH - SCHUBERT – WIERBOS
© + ℗ 2019: jazzwerkstatt in Kooperation mit dem rbb • Lizensiert durch die rbb media GmbH

PEITZ - WOODSTOCK AM KARPFENTEICH
Dieser Titel existiert seit 2011, als bei jazzwerkstatt und bei der Bundeszentrale für politische Bildung das Buch über die Geschichte der jazzwerkstatt Peitz erschienen ist. Es erzählt Geschichten, beschreibt persönliche Eindrücke der Autoren und zeigt, wo wir politisch verankert waren, bis zum Verbot durch das SED-Regime 1982. Gedanken und Pläne für die Präsentation des Buches, mit einigen Konzerten zum besonderen Anlass, kreisten. Ob die Buchmesse in Leipzig dafür geeignet sei, etwas Besonderes in Berlin, bis Thomas Krüger mit dem Vorschlag überzeugte, ins Peitzer Kino, den Ursprungsort der Jazzwerkstatt, zu gehen. Seitdem existiert die jazzwerkstatt Peitz in ihrer zweiten Phase. In einem weiteren Buch wird darüber zu berichten sein.

Jetzt aber erst einmal der Film, quasi als Zwischenbericht. Im Juli 2018 zur besten Sendezeit im rbb-Fernsehen als Reportage über die Region schon einmal gesendet, jetzt zu einem Film mit viel Musik und Informationen bearbeitet. Es ist eine Geschichte über Peitz, meine Heimatstadt, zu der ich ein schwieriges Verhältnis habe, den Spreewald, der nicht im Radius meiner Reiseaktivitäten liegt und über die jazzwerkstatt Peitz, die ich liebe und die nun einmal dort ist, wo sie ist. Da kann man nichts machen.

Ich wollte den Zwischenruf über die jazzwerkstatt Peitz, eine Erinnerung und einen Bericht über den heutigen Zustand des Festivals gleichermaßen, selbst erzählen, so scheint es mir authentisch, und ich wollte viel Musik von Tomasz Stańko in diesem haben, denn ohne Stańko würde es das alles möglicherweise nicht geben. Als junger Mann, ich war Soul- und Rockfan und Blues stand mir nahe, vom Jazz wusste ich kaum etwas, fuhr ich von Peitz nach Berlin, um in der 'Großen Melodie' im alten Friedrichstadtpalast Klaus Lenz zu hören. Das Konzert war ausverkauft. In der Schlange frustriert stehend, denn aufgeben wollte ich noch nicht, wurde gesagt, zweihundert Meter weiter, in den Kammerspielen des Deutschen Theaters, würde eine polnische Band spielen. Sofort dorthin und gespannt in den roten samtgepolsterten Theatersesseln sitzend warten auf das, was nun kommen würde. Fünf Typen mit langen Haaren, selbstgestrickten farbigen Hippiepullovern kamen auf die Bühne und setzten ihre Instrumente an. Vom ersten Ton an eine Offenbarung. Die Namen habe ich nie vergessen: Tomasz Stańko, Zbigniew Seifert, Janusz Muniak, Bronisław Suchanek, Janusz Stefański. Auch die Musik wurde nie vergessen, es war die vom grandiosen Album 'Music for K'. Freund Jimi Metag saß neben mir, wir schauten uns an, er empfand ähnlich und von nun an ging es schnell. Diese Musik war es! Jazzkonzerte wurden nun so oft wie möglich besucht. Wir kuratierten das Jazzprogramm in einem Cottbuser Club, dem Forum K und starteten mit der jazzwerkstatt in Peitz. Vom ersten Konzert an gut besucht und künstlerisch wegweisend.

Die Stadt fremdelte mit uns, das deutet der Film an. Unter Jazzfans ist der Name zwischen dem Verbot 1982 und der Neuauflage 2011 eine Marke. Was vielen diese bedeutet, was das Festivalwochenende an spannender Musik hergibt und wie nach wie vor ein unorthodoxes Lebensgefühl zur jazzwerkstatt Peitz herrscht, zeige ich im Film PEITZ - WOODSTOCK AM KARPFENTEICH. Ulli Blobel

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JW 195 WAVES (2 CD)
JULIE SASSOON & WILLI KELLERS

JULIE SASSOON piano
WILLI KELLERS drums & percussion


… Rausch
Die Zuschauer kommen in der Pause oder nach dem Konzert und sprechen von tiefen Gefühlen, von einem Rausch und einem Berührtsein, dass ihnen sogar Tränen in die Augen treibt.
Ich merke das nicht beim Spielen, spüre nur eine tiefe Konzentration. Da ist kein Millimeter Platz für Gedanken oder Strategien. Nur ein Angespanntsein und ein offenes Aufsaugen der Klänge von Julie, mein Zustand fast meditativ. Und da ist ein tiefes Vertrauen, das trägt und zusammenhält. Ein unsichtbares Band, eine Verbindung durch Klänge. Musikalische Begegnungen – ein zu-sammenschwingen und wieder Auseinanderdriften und wieder zusammen. Wie Wellen.
Manche Kollegen sprechen von einer stimmenden Chemie, aber das ist mir zu anorganisch. Vielleicht eher Begriffe wie Metaphysik, Transzendenz oder Mystik. Etwas, was im Raum schwebt, wenn wir spielen und das in Akkordmuster gebannt wird. Etwas, was im Alltag fehlt und auf einer tiefen Ebene das Bewusstsein 'an-schwingt'.

Musik
Die Musik von Julie und mir zu beschreiben ist nicht einfach, schließlich bin ich ja daran beteiligt.
Vielleicht so: sie ist einfach gemacht, gespielt, es gibt keine komplizierten
Kompositionen oder vertrackte virtuose Improvisationen, sondern eine Musik 'from heart to heart'. Sie ist akkordisch, melodiös, rhythmisch, voller exotischer Klangfarben. Klavier, singing, Steeldrum, Kalimba, ein konventionelles Jazzschlagzeug. Und über allem schwebt Gesang. Wir singen im Duo und allein, jeder für sich. Mut und Entspanntheit.
Pausen von erträglicher und unerträglicher Länge, die sich am Ende auflösen in einem Ausbruch oder ganz klei - nen - sehr - lei - sen – Me – lo – di - en.
Was bleibt: Ein Rauschen, ein Pfeifen ....
Doch all die Beschreibungen schwierig und nur der Versuch einer Annäherung an das Duo. Eine anspruchsvolle Musik, die beim Publikum ankommt.
Das ist für mich Jazz.Willi Kellers

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TOURNEEPLAN

Mo., 13. Mai 2019 | Glad House, 03046 Cottbus, 20.00 Uhr www.obenkino.de/index.php?lk=Film&Film=ImKonzert

Mi., 5. Juni 2019 | Intersonanzenfestival Potsdam, Kunsthaus Sans Titre, 14467 Potsdam, 19.00 Uhr | www.kulturfeste.de/feste/inersonanzen-potsdam

Fr., 14. Juni 2019 | JAZZCLUB W71, 97990 Weikersheim, 20.30 Uhr | www.clubw71.de

Sa., 15. Juni 2019 | Zoglau3, 84367 Taubenbach/Reut, 20.00 Uhr | www.zoglau3.com/kellers-sassoon-duo

Sa., 31. August 2019 | Zomerjazzfietstour, Groningen (NL) | www.zjft.nl

Sa., 5. Oktober 2019 | Elbphilharmonie - Kleiner Saal, 20457 Hamburg, 19.30 Uhr | CD Release 

JW 186 PETIT STANDARD
VESNA PISAROVIĆ - JOE FONDA - JOHN BETSCH
FEAT. GEBHARD ULLMANN

VESNA PISAROVIĆ vocals
JOE FONDA double bass
JOHN BETSCH drums
feat. GEBHARD ULLMANN tenor saxophone & bass clarinet

CD Release: 29. Jan. 2019 im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin

Vesna Pisarović arbeitet seit fünf Jahren an ihrem Projekt Petit Standard,
feilt am Programm, an der Auswahl der Songs und an der Besetzung. Denn es ist eine große künstlerische Herausforderung, insbesondere für den Gesangspart, ohne Melodieinstrument auszukommen. Vesna hat sich dieser Herausforderung
gestellt, mit Bravour.
Stabil und souverän treten ihre Musikerkollegen auf, Joe Fonda am Bass und, von Anfang an dabei,
John Betsch am Drumset. Das Album ist gerade erst in Brüssel aufgenommen worden. Gebhard Ullmann, der in der Stadt weilte, wurde als Gast eingeladen. Sein Spiel auf Tenorsaxophon und Bassklarinette war so inspirierend, dass er nun bei den meisten Songs mitwirkte.
Die Release-Tour, im Januar 2019, ist der großen Billie Holiday gewidmet, Songs von ihr finden Sie auf Petit Standard.

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JW 191 WILLISAU
URS LEIMGRUBER - JACQUES DEMIERRE - BARRE PHILLIPS PLUS THOMAS LEHN

URS LEIMGRUBER soprano & tenor saxophones
JACQUES DEMIERRE piano
BARRE PHILLIPS double bass
THOMAS LEHN analogue synthesizer

VÖ: 03/2014

Das Abenteuer Improvisation wird einem selten so eindringlich vor Ohren geführt wie mit dem Trio LDP. Seit bald 20 Jahren sind die drei Intrumentalisten daran, ihre stupende Musik des Moments immer wieder anders und überraschend auf den Punkt zu bringen. Dabei stossen sie in klangliche Gefilde vor, die sie oft selber überraschen. Das Trio hat den einschlägigen Orten und Festivals weltweit seine Fans. Wer ihr Wirken seit Jahren verfolgt, ist erstaunt, wie sie mit ihrem endlosen Track immer wieder unsere Wahrnehmung schärfen. Mit dem Kontrabassisten Barre Phillips ist ein Musiker mit dabei, der schon vor über 50 Jahren das Publikum begeisterte. Im letzten Jahr ist das Trio an verschiedenen Residenzen in Europa mit illustren Gästen aufgetreten. Auch am Ruhr-Jazzfestival haben sie mit Thomas Lehn einen Top-musiker mit an Bord. Seine Analog-Elektronik fügt sich nahtlos in den puren Ausdruck dieses Trios. Pirmin Bossart

Tourneeplan :

Do., 25.04.2019  Hannover, TonHalle | www.tonhalle-hannover.de

Fr., 26.04.2019  Berlin, Jazzclub Aufsturz | www.jazzkeller69.de

Sa., 27.04.2019  Bochum Kunstmuseum, Ruhr Jazzfestival | www.ruhr-jazzfestival.de

So., 28.04.2019  Ulrichsberg, Festival Kaleidophon | www.jazzatelier.at

Di., 30.04.2019  Luzern, Kulturzentrum Neubad | www.neubad.org


JW 193 PETER EHWALD SEPTUOR DE GRAND MATIN

ALMUT KÜHNE vocals
RICHARD KOCH trumpet
PETER EHWALD tenor saxophone
KATHRIN PECHLOF harp
STEFAN SCHULTZE piano
MATTHIAS AKEO NOWAK double bass
JOHN SCHRÖDER drums

Die Musik für Le Septuor de Grand Matin schrieb der Saxophonist und Komponist Peter Ehwald im blauen Licht früher Morgenstunden. Die Komposition ist das Ergebnis wacher Konzentration und der friedlichen Ruhe vor dem Sturm der alltäglichen Verpflichtungen. Zuvor beschäftigte sich Peter Ehwald intensiv mit methodischen Kompositionsprozessen, woraus die neun Stücke für Le Septuor de Grand Matin entstanden. Oszillierend zwischen dem Blau in 'the Wee Hours of the Morning' des Jazz und dem Schönberg'schen Kompositionsprinzip der Variation, sollen die HörerInnen in einen traumhaften Zustand klarer Gelassenheit versetzt werden. In Peter Ehwalds Komposition finden sich musikalische Strukturen europäischer Musik des frühen 20. Jahrhunderts, sowie Anklänge der Freiheit und Experimentierfreudigkeit des Jazz der 1970er Jahre wieder.
Sein Septuor de Grand Matin (zu dt. etwa 'Septett der Frühen Morgenstunde') hat er grandios besetzt: Almut Kühne, Richard Koch, John Schröder, Stefan Schultze, Kathrin Pechlof und Matthias Akeo Nowak verweben Ehwald's kompositorische Vorgaben einfühlsam zu einer rhythmischen Kammermusik, die aktuell und dennoch zeitlos ist.

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JW 194 JUST ANOTHER FOUNDRY

JAZZ MIT NEUEN WURZELN / MUT ZUR KANTE / HALTUNG EINER GARAGENBAND

JONAS ENGEL alto saxophone
FLORIAN HERZOG double bass
ANTHONY GREMINGER drums

Einfach nur drei Individuen, einfach ein Trio, Just Another Jazz Band, das trotzdem stetig überrascht.

Songhafte Eigenkompositionen sind die gemeinsame Basis aus der ihr Fabrikat hervorgeht und trotzdem klingt dieses Trio nicht einfach nach Schlagzeug, Kontrabass und Saxophon. Sie sind gewillt ihr elegantes Konstrukt jederzeit wieder niederzureißen und abrupt mit einer trashigen Manier gespeist aus Hip-Hop, Pop, Free-Jazz oder Krautrock zu kombinieren. Es werden Momente geschaffen, in denen die typischen Regeln der Instrumente kaum gelten. Diese Regeln werden durch vertauschte Rollen und erweiterte Spieltechniken umgangen und ausgehebelt. All das schafft eine authentische Aussage, die über Just Another Foundrys Musik hinausgeht. Musik der Großstadt und dennoch der eigenen Wurzeln. Musik, die das Feuer einer neuen Generation widerspiegelt.

Auszeichnungen: - Avignon Jazz Award - Maastricht Jazz Award - Junger Deutscher Jazzpreis - Förderstipendium der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung

Einfach eine weitere 'Manufaktur', einfach eine weitere Jazzband. Dieses Understatement wirkt in Bezug auf dieses Trio, das sich in kürzester Zeit schon eine beachtliche Reputation erspielt und diverse Preise gewonnen hat, fast schon ein wenig frech. Aber das ist auch gut so, denn was JAF von anderen Formationen ihrer Generation abhebt, ist gerade der Mut zur Kompromisslosigkeit und die Weigerung, sich aktuellen Trends und Moden unterzuordnen. Die Besinnung auf das

Wesentliche, die Kommunikation, den Klang ihrer drei Instrumente und die Konfrontation von Klängen im Moment, liegen dieser Musik zugrunde. Man kann jeden Moment dieser Aufnahme unter Lupe betrachten und wird immer etwas Spannendes finden: ein Kratzen, ein Schnarren, ein Säuseln oder eine kleine Melodie.

Das J, das A und das F - Jonas, Anthony und Florian - haben ihre gemeinsame Stimme gefunden und lassen sie erklingen. Einfach drei Typen, die spielen: genau so soll es doch sein! - Niels Klein

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jw 187 COMMON GROUND

SEBASTIAN GILLE tenor saxophone
ACHIM KAUFMANN piano
MATTHIAS AKEO NOWAK double bass
BILL ELGART drums

jw 187 COMMON GROUND Record Release:
Sa., 27. Oktober 2018, 20.00 Uhr
FESTUNGSSAAL PEITZ

Musik geschieht. Wie absichtslos: ein Gedanke, ein zweiter, dann ein weiterer, und schon hat sich alles verändert und die Gedanken haben eine neue Gestalt angenommen. So oder so ähnlich ist das Ideal des Jazz. Musiker kommen zusammen, einer spielt und hat eine Idee, die anderen kommen dazu und lassen Dinge geschehen, unvorhersehbare, ungeahnte, sehr persönliche Dinge: das Ziel ist Schönheit und Ausdruckskraft.

Treffen vier Musiker aufeinander: Der Kontrabassist Matthias Akeo Nowak und der Tenorsaxofonist Sebastian Gille, der Schlagzeuger Bill Elgart und der Pianist Achim Kaufmann, sehr verschieden, was Alter und Lebensweg angeht und doch verblüffend dicht beieinander, wenn man den Fluss der musikalischen Ideen in den Fokus stellt.

Da ist Sebastian Gille, der Jüngste im Quartett, geboren 1983 in einem Dorf bei Quedlinburg im Harz, für den das Ende der DDR gerade rechtzeitig gekommen war, um ihm die Tore zum Jazz zu öffnen. Schnell entwickelt sich der junge Saxofonist zu einem der eigensinnigsten und ausdrucksstärksten Vertreter seines Fachs weit und breit, in dessen Ton bei aller Wärme der Atem zu hören ist, Sensibilität und Verletzlichkeit und der Wille, Grenzen zu überschreiten. In Köln trifft Sebastian Gille auf Matthias Akeo Nowak, und gemeinsam beschließen sie, dieses Quartett zu gründen. Nowak, geboren in Berlin, familiär mit Spuren japanischen Ursprungs verbunden, verwurzelt in einem weiten Feld zeitgenössischer Musik zwischen Jazz, Rock und Symphonik und bekannt als ein Virtuose der mannschaftsdienlichen Ökonomie, ist sieben Jahre älter als Gille und funkt ganz offensichtlich auf der gleichen Wellenlänge.

Als der in Würzburg lehrende Schlagzeuger Bill Elgart, Jahrgang 1942, ein Veteran des modernen Jazz, der seine ersten Meriten an der Seite von Musikerinnen wie Paul und Carla Bley oder Gary Peacock verdiente, zu den beiden stieß, bekam das Projekt Konturen. Mit Achim Kaufmann, geboren 1962 in Aachen, einem expressiven Abstrakten unter den Pianisten, der es wie kaum ein anderer versteht, in der Improvisation Spielfreude und Stringenz, Zufall und Struktur auszubalancieren, war bald der Vierte im Bunde gefunden.

Gemeinsam spielen die vier so unterschiedlichen Musiker eine Musik, in der alle Voraussetzungen, die Unterschiede der Lebenswege und Erfahrungshorizonte keine Rolle mehr spielen - mit äußerster Konzentration arbeiten alle vier daran, immer wieder neue Melodien, Rhythmen, Texturen geschehen zu lassen. Ob es Elgart ist, der sein Schlagzeug mit einem enormen Farbenreichtum spielt, so dass unter den rhythmischen Akzenten melodische Bewegungen mitschwingen, oder Kaufmann, der mit den reichen Harmonien in seiner linken Hand stets das Potential für plötzliche Richtungswechsel bereit stellt; ob Nowak mit einer sehr ausgeschlafenen Phrasierung und großer Ruhe die verschiedenen melodischen Fäden verknüpft oder Gille, der mit seinem markanten, fast schon atemlosen Ton und einer nahezu asketischen Ruhe nur die Töne aneinanderreiht, die die Musik wirklich braucht: es ist hohe Improvisationskunst, die es hier zu erleben gibt. Stefan Hentz

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jw 196 UWE KROPINSKI & MICHAEL HEUPEL
A KIND OF NOW

UWE KROPINSKI guitar, guitar percussion, foot percussion
MICHAEL HEUPEL flute, alto- & bass flute

jw 196 A KIND OF NOW Record Release:
Sa., 20. Oktober 2018, 21.00 Uhr
KUNSTFABRIK SCHLOT – BERLIN

Jetzt oder nie – so entsteht Musik. Wir haben es uns ein paar Tage im Studio gemütlich gemacht und drauflos gespielt. Nicht was Sie denken, da macht nicht jeder was er will, sondern was die Musik will. Vorherige Absprachen gab es kaum, einer sagt vielleicht … du fängst an. Dann hört er und schon weiß er, was er tun muss … bestenfalls. Wir agieren wie zwei Komponisten, nur in so einer Art von Jetzt, das nicht mehr radierbar ist. Da entstehen Stücke mit ganz unterschiedlichem Charakter und die Herausforderung des Musikers besteht darin, es dem Stück im Moment recht zu machen. Die Vorbereitungszeit für diese Aufnahmen war lang. Sie begann 1988, als ich ein Solokonzert von Michael Heupel hörte und von seiner Musik so begeistert war, dass ich ihn fragte, ob wir uns musikalisch zusammentun wollen. Er hat ja gesagt, und so konnte unsere Verbindung 30 Jahre lang reifen. Wir spielten über die Jahre viele Konzerte und nahmen CDs auf.

Diese lange Zeit ist nun eingegangen in unsere heutige Musik und das Konzept, die Kompositionen (denn so klingen sie für mich und dem Zuhörer kann es ja egal sein, wie und wann komponiert wurde) im Moment entstehen zu lassen, eröffnet natürlich den meisten Raum für musikalischen Austausch, nämlich einen unendlichen. Das bringt aber auch unendliche Probleme, die nicht alle auf einmal gelöst werden können. Aber schon die kleinste Anregung, die kleinste Absprache … Rhythmus, Tonart, Tonleiter … du fängst an … kann einen in Bewegung setzen und hat man einen guten Anfang gefunden, kann der Musik einfach folgen, ist alles leicht und das Stück entsteht … ja, wie von selbst. Hinterher weiß man gar nicht mehr, wie das eigentlich alles möglich war. Spielt auch keine Rolle mehr. Man hört's ja. Uwe Kropinski

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JW 197 SEVEN STAIRS/INDIA
DAVE LIEBMAN + RAVY MAGNIFIQUE
VÖ: 30.08.2018


DAVE LIEBMAN
flutes, saxophones, piano
RAVY MAGNIFIQUE
drums, percussion, voice

For a Western trained musician, four of the five elements that comprise music are easily accessible-melody, harmony, color and form. The element of rhythm has yielded jazz and its offshoots of pop, funk, etc. as well as intricate mixtures of meter from the contemporary classical composers (Stravinsky, Schoenberg, etc.), but it is in other parts of the world where the idea of „groove“ has been explored in all its manifestations for thousands of years. lt is in lndia and to some degree parts of Africa and the Slavic cultures where the most sophisticated aspects of this area of rhythm have been developed. For a musician like myself to play in this context is ALWAYS challenging and a learning experience. I have to really check myself, asking basic questions like „where is the one (first beat)“ or more precisely „what meter are we in?“Ravy Magnifique, coming from a very unique part of lndia (Pondicherry) is an expert in rhythm and has as well incorporated jazz and pop beats into his vast base of knowledge. I recognized his talent when we did a project of his compositions playing some difficult (for me) odd metered music. I suggested that he and I play duo, admittedly so I could learn more from him. The music on this recording was completely improvised, usually beginning with a rhythm and texture that Ravy would play for me. He used all kinds of instruments from African kalimbas to Indian percussion instruments to the normal jazz trap drums with vocalizations as well. This music represents a visit for me to another world which is full of beauty, sincerity and spirituality. Thanks to Ravy for the opportunity to learn and commune; to Cathy for her assistance and to Roger for the excellent sound.Dave Liebman

Universalism is the concept that guided this music towards becoming a prayer on behalf of humanity‘s joy, representing a journey through the elements: water, earth, wind, fire, energy as an ode to life. How greatly honoured I feel to have been able to achieve this duet with master David Liebman who has become one of the best musicians in our time. Every moment I spent by his side made me progress towards a better comprehension of happiness in music and life. I am infinitely grateful to him. I hope listeners will receive this representation of cultural syncretism in which the folk tradition, jazz, and contemporary music are combined, incorporating sentiments of faith and love.Ravy Magnifique

℗ + © 2018 by jazzwerkstatt

www.jazzwerkstatt.eu

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ITM 920024 TOMASZ STANKO FREELECTRONIC

ITM 920024
TOMASZ STANKO
FREELECTRONIC IN MONTREUX + TOO PEE
2 CD

CD 1
FREELECTRONIC IN MONTREUX
TOMASZ STANKO
trumpet
JANUSZ SKOWRON
dx7, piano
VITOLD REK
electric- and double bass
TADEUSZ SUDNIK
aks synthesizer, self-made electronic instruments

CD 2
TOO PEE
TOMASZ STANKO
trumpet
MANFRED BRÜNDL
bass
MICHAEL RIESSLER
bass clarinet, clarinet, sopranino saxophone

TOMASZ STANKO
The carefully considered compositions of Tomasz Stanko, Manfred Bründl and Michael Riessler form so to speak the basic for stories which first take shape in the medium of improvisation. Although coming from comparatively different „worlds“ the three musicians intuitively find ways to express common moods. And even when single pieces are organized as solo features, the overall impression is still one of the balanced harmony in which each simultaneously plays and listens, radiates ideas and receives impulses. Almost orchestral effects are sometimes created by the interplay of the completely individual brass, woodwind and string sounds. The impression is strengthened through instrumental virtuosity, the flowing change of techniques or the tone colors, and the capability of spontaneous counterpoint. The trio has come closer to achieving the always newly reaffirmed goal of the synthesis of spontaneity and form. The Montreux recording works with electronics and synthesizer sounds.

TOMASZ STANKO 1942 - 2018

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JW 113 AUGUSTO PIRODDA NO COMMENT
Re Release
(VÖ: 30.08.2018)

JW 113
AUGUSTO PIRODDA / GARY PEACOCK / PAUL MOTIAN
NO COMMENT

AUGUSTO PIRODDA
piano
GARY PEACOCK
double bass
PAUL MOTIAN
drums

Es ist kaum zu glauben: das Album, das sie gerade in Händen halten, ist erst das Fünfte in der Diskographie von Augusto Pirodda. Doch schon das erste, schlichte Motiv macht deutlich: hier sitzt kein ‘Rising Star’ am Flügel, der glaubt, mit vielen Tönen endlich den Durchbruch herbeispielen zu können. Das hat Augusto Pirodda nicht nötig. Vielmehr führte seine Entdeckungsreise ihn bis nach New York, ins Studio mit Gary Peacock und Paul Motian. „It Begins Like This…“ - so heißen die ersten Takte des Albums nicht ohne Grund. Sie dokumentieren buchstäblich den Beginn: aufgenommen noch während des Soundchecks im Studio. Die Trio-Improvisation schlägt den aufmerksamen Hörer in Bann. Kein zögerliches Herantasten gibt es hier, kein Aushandeln von Hierarchien, genauso wenig routinierte Belanglosigkeit. Die drei Musiker finden zum Trio zusammen. Ein unspektakulärer Vorgang, der täglich in Studios rund um die Welt vor sich geht - und gleichzeitig ein Wunder, wenn daraus ein solches Miteinander entsteht.Es liegt auf der Hand, dass „No Comment“ dem Album den Titel gibt. Als er die fertigen Aufnahmen zum ersten Mal auf CD brannte, schrieb er die Namen der Beteiligten aufs Cover: Augusto Pirodda – Gary Peacock – Paul Motian. „Was soll ich dazu noch sagen? Zum Glück war da dieses wunderbare Stück im Programm. Das ist der einzig denkbare Titel.“Tobias Richsteig

℗ + © 2011/2018 by jazzwerkstatt

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JW 024 CHARLES GAYLE TOUCHIN ON TRANE
Re Release
(VÖ: 30.08.2018)


CHARLES GAYLE / WILLIAM PARKER / RASHIED ALI
TOUCHIN' ON TRANE

CHARLES GAYLE tenor saxophone
WILLIAM PARKER
double bass
RASHIED ALI drums

Das Wesen der Musik auf dieser Scheibe liegt weit jenseits solcher grundlegenden Begriffe wie Noten, Rhythmen und Harmonien, und wer schon so hip war, diese CD zu kaufen, braucht wahrscheinlich ohnehin keine Anweisungen, um zu würdigen, wie überaus wunderbar diese Musik ist. Wie kommt es dass Charles Gayle - ein amerikanischer Musiker, der auf höchstem Niveau eine Musik spielt, die das amerikanische Kultursystem nur ungern als „Amerikas einzigen originalen Beitrag zu den Künsten“ anerkennt - von keiner amerikanischen Plattenfi rma auch nur eine Chance angeboten wurde, aufzunehmen, und dass seine öffentlichen Auftritte in den USA fast ausschließlich auf die Straßen von New York und eine gelegentliche Montagnacht in der Knitting Factory beschränkt sind? Was ist los mit Amerika - einem Land, das sich als „Land der Freiheit“ und „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ anpreist - dass die freieste und befreiteste Musik praktisch keine Möglichkeiten bekommt?

Die Antwort liegt in der immanent rassistischen kulturellen Einstellung und Machtstruktur und in der Tatsache, dass die Musik, die Gayle, Parker und Ali spielen, eine hochgradig selbst bestimmte Musik ist, genau das, wovor die amerikanische, weiße, kolonialistische Machtstruktur am meisten Angst hat. Was solche Angst vor der Musik einfl ößt ist, dass sie eine dynamische, vereinigende Kraft ist, die nicht nur schön anzuhören ist, sondern auch das Bewusstsein des Zuhörers für das erweitert, was es bedeutet, ein menschliches Wesen zu sein. So war Ellington beispielsweise der erste Komponist, der erkannte, dass diejenigen, die da mit ihren Instrumenten auf ihren Stühlen saßen menschliche Wesen sind. Seine Kompositionen berücksichtigten folglich die Stärken und Schwächen des einzelnen Musikers. Er war der erste wirklich demokratische Komponist.

Gayle, Parker und Ali spielen in einem Kontext, der eine natürliche Entwicklung von Ellingtons Konzept ist, wobei jeder einzelne sein ganzes musikalisches Selbst frei und spontan einbringt und zugleich die ästhetischen Erfordernisse der Komposition berücksichtigt, so dass jeder Beitrag und jede Reaktion mit denen der anderen zu einem vereinten harmonischen Ganzen verschmilzt; zu einer geistigen Einheit und geistigen Ganzheit, worum es schließlich geht in der Musik.Joseph Chonto


℗ FMP-Publishing
© 2007/2018 by jazzwerkstatt

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JW 171 QUAIRÓS 'VELA'
TOM ARTHURS trumpet
MARKUS PESONEN guitar

MILES PERKIN double bass
JANNE TUOMI drums & percussion

QUAIROS/Kairos steht in der griechischen Mythologie für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein kann und VELA, die Segel des Schiffs, stehen für ein Sternbild des Südhimmels. Die vier hier zu hörenden Musiker nutzen den richtigen Zeitpunkt, ihre Musik zu veröffentlichen.
QUAIRÓS zaubert großartige Sounds zwischen Jazz und Avantgarde.

Hören Sie und entscheiden Sie! Ulli Blobel


JW199 2 CD BOX PETER BRÖTZMANN / DIE LIKE A DOG QUARTET -
FRAGMENTS OF MUSIC, LIFE AND DEATH OF ALBERT AYLER 
ALBERT AYLER QUARTET - MUSIC IS THE HEALING FORCE OF THE UNIVERSE 

..., AND SOMEBODY, JUST SOMEBODY, PLEASE, LISTEN!

VIELE haben ihm nicht zugehört, umstritten war er bis zum Ende seines kurzen Lebens. Vor allem Kritiker und Programm-Macher wussten meistens nichts mit ihm anzufangen. Das Publikum, besonders in Europa, liebte ihn.

MUSIC IS THE HEALING FORCE OF THE UNIVERSE... er hat daran geglaubt. Vom Glauben zur Vision war nur ein kurzer Schritt, von der Vision zur Realität ein Sprung in den East River. Wenn auch noch so kurz, ist sein Leben doch beispielhaft und vor allem sein Tod ein gar nicht so ungewöhnliches Zeugnis

für die alltäglichen Depressionen, denen ein Spieler 'unverkäuflicher Musik' - so sein Freund und Mitstreiter Charles Tyler - in den USA, besonders in New York ausgesetzt ist. Sicherlich, die Wertschätzung, die ihm in Europa entgegenschlug, hat ihm gutgetan. Dann aber, zurück in New York, kamen die Depressionen wieder. (Ein Jahr vor seinem Tod mußte er seinen Bruder Donald ins Irrenhaus bringen). Von Beginn an dokumentieren die Titel seiner Stücke die Sehnsucht nach einer anderen, besseren Welt: Spiritual Unity / Ghosts / Truth ls Marching In/ Universal Message/ Holy Family / Our Prayer / Spirits Rejoice ... er meinte es ernst.

In den letzten Jahren wurde die Diskrepanz zwischen Wollen und Sein immer deutlicher: Hier der Versuch, die Musik zu öffnen für alle, jeden teilhaben zu lassen an seiner Erfahrung, seiner wilden Energie, seiner Liebe, jedem ein Stück seiner Phantasie abzugeben. Dort die Repression, die Armut mit sich bringt. Lustlos wurden Ende der 60er Jahre die letzten Platten eingespielt – zurück zu Soul, Rhythm and Blues, garniert mit äußerst banalen Texten, auf Druck der Plattenfirma.

Erfolgreich wurden sie nicht. Nach seinem Konzert im Juli 1970 in Frankreich konnte man aufatmen: Er war wieder da, mit all seiner Leidenschaft und Überzeugungskraft. Vier Monate später wurde er aus dem East River gefischt. Peter Brötzmann


JW190 PETER BRÖTZMANN / TOSHINORI KONDO / WILLIAM PARKER / HAMID DRAKE - AOYAMA CROWS

"Ein Quartett mit einem gemeinsamen europäischen, amerikanischen und japanischen Erbe und einer Empfindsamkeit, die viele kreative Inseln mit einem Streich durchquert" (allaboutjazz.com)


JW189 WOLFGANG SCHMIDTKE ORCHESTRA - MONK!

Runde Geburtstage werden immer gebührend gefeiert und bei einem 100. ist die würdige Party natürlich unausweichlich. Am 10. Oktober Anno '17 war so ein Tag und das Geburtstagskind war dieser Mensch, dessen Name allen, die ein Instrument in die Hand nehmen und dann Jazz spielen, ein hingebungsvolles Seufzen entlockt: Thelonious Monk - einsamer Meister des Bebopklaviers, Großmeister unter den Jazzkomponisten, Größtmeister in der Liga der Stilisten - wenn das Erreichen einer ganz persönlichen Note zum allerwichtigsten im Jazz gehört, dann hat Thelonious Monk die schönste Visitenkarte. Sein kompositorisches Werk ist außer Konkurrenz, weil er diese merkwürdigen Dinge geschaffen hat. Melodien aus Motiven, die einem immer wie der innerste Kern der Jazzästhetik anmuten.Stets sind sie ganz kurz die Motive und immer werden sie, mal modulierend, mal wörtlich, zig mal wiederholt. Wenn es in einem Satz beschrieben werden darf, liegt darin das Charakteristische in den Musiken von Monk: Er erfindet ein formelhaftes Motiv und spielt dann mit dieser Idee, so lang es ihm gefällt. Das Ergebnis dieser kompositorischen Arbeitsweise kann in jede Richtung gehen, mal ist es bezaubernd schön, mal skurril schräg. Immer ist es ''gegen den Strich'' gebürstet, eines kann Monk nicht, ein belangloses Statement abgeben. Das Orchestra traf sich zum Berliner Konzert erst zum zweiten Mal in dieser Besetzung, im Mai '17 hatten wir uns beim Festival in Lana, Südtirol, kennengelernt. Die Atmosphäre war sofort perfekt, denn allen war schnell klar, dass hier keine Big Band Sections gefragt waren, sondern ein Klang, den nur gemeinsam musizierende Individualisten erzeugen. Gern würde ich hier alle wunderbaren vierzehn Leute kurz vorstellen, dass dafür der Platz fehlt, ist der einzige Nachteil eines Orchestra. Ich weiss aber, dass alle mit mir einer Meinung sind, wenn ich sage, dass es jedes Mal wunderbar ist, mit dem Grandseigneur des deutschen Jazzsaxophons auf einer Bühne zu sein- Gerd Dudek wird bald 80 Jahre alt und gern nutzen wir die Feier von Monks 100. Geburtstag, um auch Gerd zu gratulieren! Der Saal der Berliner Kulturbrauerei war am Abend des 10. Oktober '17 mehr als voll, irgendwann musste die Tür dicht gemacht werden, es passte einfach niemand mehr rein. Dann feierten wir ein paar Stunden Livejazz, der sich in einem deutlich vom guten Bordeaux unterschied- er war sortenrein, 100 % Thelonious Monk. Wolfgang Schmidtke

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JW198 CECIL TAYLOR CONVERSATIONS WITH TONY OXLEY

Stilbildend war Cecil Taylor, der am 5. April 2018 in Brooklyn, wo er zeitlebens seine Heimat hatte, verstarb. Er begann, wie zur gleichen Zeit Ornette Coleman (1930 – 2015), in den neunzehnhundertsechziger Jahren eine von Clustern und Stakkatotönen dominierte Musik zu entwickeln, die wir später Free Jazz nannten.
Die Stilikone am Klavier begann die Struktur der Konzerte stets leise, sich ans Instrument schleichend, Texte vor sich her murmelnd, tänzerisch, bis die ganze Wucht seiner Spielweise die einzigartige Kraft der Musik erklingen ließ.
Hier hören wir aus dem Jahr 2008 eines seiner letzten Konzerte aus dem Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Schon mit den letzten Aufnahmen von Ornette Coleman (jw 090 'For The Love Of Ornette') hat jazzwerkstatt die Epoche des Free Jazz eindrucksvoll dokumentiert. In 'Conversations with Tony Oxley' hören wir die letzten Klangkaskaden von Cecil Taylor.

Ulli Blobel


ITM 920022 ART ENSEMBLE OF CHICAGO - LIVE IN BERLIN

In leuchtender Runde auf der Bühne: Geste und Ton, die Magie der Erinnerung, längst vergessene Zeit, die vergeht und beginnt, auf den Autobahnen (Ancient To The Future), durch die Wildnis der verschwendeten Momente bis jetzt & hier & noch nicht.

Aus der Ferne: Rasseln und Klingeln, tiefe Stimmen im nächtlichen Wald. Gleich hinter dem Vorhang beginnt die Savanne: Gemeinschaft von Mensch & Tier & Pflanze. Auch daran sei erinnert: Bilder aus Amerika (mit leicht geschüttelten Händen): Plantage & Pints, Erdnüsse und Pin-Ups, Zelt-Shows, Unruhen und kirchliche Messen, Winter in der windigen Stadt (Sweet Home Chicago / Chicago Breakdown), Tanz rund um brennende Cadillacs, Nachricht an Freund und Nachbarn. Vom amerikanischen Weg abgetrieben (was auch immer das sein mag), zwischen Wellblech und Karton, Würde wiederentdeckt: Great Black Music.

Triumph, Legacy & Resolution, gespielt auf der Südseite, in der Seine, woanders. (Und auch einmal im Haus des Deutschen Theaters.) & Nach jedem Spektakel löst sich die Magie auf, die Musik hängt in der Luft, die Türen bleiben offen: Längst wieder aktuell: Die Mythen, die Zeit, nah genug, um zu begreifen. und sogar im nächsten Spiegel können wir es sehen: Ein Schamane mit traurigen Augen, der glücklich auf dem tanzenden Asphalt balanciert.Bert Noglik (März 1979)

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JW188 ANDREAS WILLERS / JAN RODER / CHRISTIAN MARIEN - DEREK PLAYS ERIC

WILLKOMMEN IN DER WILDEN WELT VON ANDREAS WILLERS & CO!


Obwohl Derek plays Eric eine Mischung von Einflüssen des notorisch-abstrakten britischen Avantgarde-Gitarristen Derek Bailey und dem sehr Blues-orientierten Eric Clapton nahelegt, sind hier ganz klar auch andere Kräfte am Werk… Hier wird nicht experimentiert um des Experiments willen, sondern eine faszinierende Fusion mit einer starken musikalischen Aussage vermittelt. Dies geschieht nicht aus dem Nichts, sondern wird von klar definierten Traditionslinien abgeleitet, sowohl überlieferter als auch zeitgenössischer Art, welche erkennbar einen wichtigen Teil der Erfahrungsgrundlage dieser Musiker bilden.

Andreas, ein Young Veteran, hat umfassend mit Deutschlands wichtigsten Instrumentalisten und Komponisten gearbeitet und ebenso mit internationalen Stars wie Trilok Gurtu und dem großartigen Paul Bley. So hat er auch mit der unterbewerteten Saxophonistin Ingrid Laubrock zusammengearbeitet, die für mich einmal auf einem Kurzfilm-Soundtrack gespielt hat, was sie innerhalb eines Tages mit großem Ideenreichtum abschloß. Ich traf Andreas bei einem gemeinsamen Erinnerungskonzert an Jack Bruce im Jahr 2015, wo er eine Soloversion des durch die Graham Bond Organization bekannt gewordenen Walking in the Park auf dem E-Bass spielte. Doch seine Arbeit als Leader und Komponist ist mir neu, eine äußerst erfreuliche Überraschung.

Mir fällt auf dieser Aufnahme eine gewisse Hommage an John McLaughlin auf, und wohl sogar an den verstorbenen Sonny Sharrock, der, wie Andreas, ein besonderes Interesse an den unterschiedlichsten Klängen und Texturen der Gitarre hatte. Zu denjenigen, die in einem Bezug zu diesen Gitarristen stehen, zählen sicherlich Hendrix und Jeff Beck, und davor Phil Upchurch und Roy Buchanan. Interessanterweise weist meine eigene (unveröffentlichte) Demoaufnahme der ersten Version von Cream's Politician selbst erstaunliche Gitarrenarbeit von John McLaughlin auf, der zu dieser Zeit im Jahr 1967 Mitglied der First Real Poetry Band war. Damals war ich kein Sänger, eher ein vortragender Poet, und es gibt da eine gewisse Ähnlichkeit zu Andreas' Detonationen.

Eine weitere McLaughlin-Verbindung findet sich in der frühen Jack Bruce-Kompostion HCKHH Blues, die ursprünglich von der Graham Bond Organization mit McLaughlin an der Gitarre eingespielt worden war.

Das Material dieser Aufnahmen ist jedoch extrem abwechslungsreich, von Mingus und Ellington bis zur heute sehr angesehenen Brit Progrock Band Gentle Giant. Es gibt außerdem eine Reihe ausgezeichneter Eigenkompositionen, die Andreas' Fähigkeiten als Komponist (er hat schon für das bekannte NDR Jazzorchester geschrieben) zeigen - und seinen sehr musikalischen Sinn für Humor. Andreas nutzt, recht unüblich in dieser Art Musik, die uralte Form des Medleys, indem er bekannte und andere Melodien im selben Stück geschickt miteinander verwebt.

An dieser Stelle wird ein Lob fällig für die wunderbare Rhythmusgruppe - Schlagzeuger Christian Marien hat eine großartige Technik und kann einfach mit allem mithalten, was sich ihm in den Weg stellt. Und Jan Roders Spiel ist extrem ideenreich und besonders beeindruckend auf dem Kontrabass.

Auf meinen eigenen Plattenveröffentlichungen versuche ich immer eine gute Bandbreite an Tonarten, Melodien, Stimmungen, Grooves, Taktarten und Tempi sicherzustellen und ich bin sehr erfreut sagen zu können, dass diese Platte dem absolut gerecht wird. Diese ausgezeichneten Darbietungen werden Sie sowohl faszinieren und anregen als auch bestens unterhalten.
Pete Brown - britischer Sänger, Dichter und Songtexter. Er schrieb u.a. die Songtexte zu den CREAM-Klassikern: 'I Feel Free', 'SWLABR', 'White Room' und 'Sunshine of Your Love'.

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JW 184 MARTIN BLUME - WILBERT DE JOODE - JOHN BUTCHER - LOW YELLOW

Mit Farben Musik zu beschreiben oder ihr zumindest näher zu kommen, ist ein verbreiteter Erklärungsversuch für das eigentlich verbalsprachlich kaum fassbare Phänomen musikalischer Wirkprozesse. Der Titel des Albums Low Yellow erschließt sich bereits beim ersten Hören der vier Tracks relativ schnell: Es handelt sich um improvisierte Musik, die nicht dick aufträgt, sondern in einem dezenten Farbstich daherkommt und in ihren Miniaturen auf Abstufungen, auf nuancierte Lyrismen setzt. Das Trio mit dem britischen Saxophonisten John Butcher, dem Niederländer Wilbert de Joode am Kontrabass und dem deutschen Drummer und Perkussionisten Martin Blume spielt seit dem Jahre 2004 zusammen, John Butcher und Martin Blume kennen sich schon länger aus der gemeinsamen Zeit mit Georg Graewes Frisque Concordance in den 1990er Jahren. Der Mitschnitt ihres Konzertes vom Sound Disobedience Festival in Ljubljana im Oktober 2016 zeigt, dass sie sich als Improvisationskünstler bestens verstehen und aufgrund ihres langen Zusammenspiels eine dichte Interaktion mit immer neuen musikalischen Einfällen kreieren können.

Low Yellow ist ein Album mit einem fein abgestimmten Trialog von Ausnahmemusikern der improvisierten Musik, mit klanglich und technisch perfekt aufeinander bezogenen Miniaturen. Statt 'minimal music' entwickeln John Butcher, Wilbert de Joode und Martin Blume eine Vielzahl von musikalischen Einfällen frei von verfestigten Strukturen oder Pattern. Kaleidoskopartig entspringt aus einer Idee die nächste, ihr musikalisches Perpetuum mobile zeugt von einem kunstvoll organischen Verknüpfen von Fragmentarischem, einem filigranen Weben an musikalischen Miniaturen frei von jeglicher Wiederholung oder Attitüde berserkerhafter Dekonstruktion. Ihr Zusammenspiel lässt sich als impressionistisch, als wunderbar 'low' im Sinne einer dezenten musikalischen Farbgebung bezeichnen. Heinrich Brinkmöller-Becker

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JW 185 HELGA PLANKENSTEINER PLANKTON feat. GERHARD GSCHLÖßL/MATTHIAS SCHRIEFL - LIEDER/SONGS

"Mir gefallen diese Lieder mehr als alle, und sie werden euch auch noch gefallen" schrieb Franz Schubert über die Winterreise. Einige davon schickt Helga Plankensteiner und Plankton auf eine neue abenteuerliche Reise durch die stilistischen Mühlen des Jazz und entdeckt dabei ganz neue Möglichkeiten, die den Autor selbst vielleicht überrascht hätten... oder auch nicht. Mit dem vielseitigen Trompeter Matthias Schriefl aus dem Allgäu, dem Modernisten Gerhard Gschlößl an der Posaune, dem Gitarrenalchimisten Enrico Terragnoli und dem malerisch gestaltenden Schlagzeuger Nelide Bandello versuchen Helga Plankensteiner und Michael Lösch (Arrangements) einen eigenen Zugang zu einem Meisterwerk des großen Komponisten. Wie so oft bei Helga Plankensteiners Alben fällt ein Song aus dem Rahmen, in diesem Fall wird "Ich halte ihr die Augen zu" von Heinrich Heine als Intro vertont und Lothar Brühnes "Kann denn Liebe Sünde sein" in einer eigenwilligen Version interpretiert. Michael Lösch

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ITM 920021 | 2 CD | THE ALAN SKIDMORE QUARTET – NAIMA | CD 1: NAIMA: ALAN SKIDMORE tenor saxophone / STEVE MELLING piano / GEOFF GASCOYNE bass / TONY LEVIN drums  / CD 2: LIVE IN BERLIN: ALAN SKIDMORE tenor saxophone / MIKE GORMAN piano / AIDAN O'DONNELL bass / IAN PALMER drums
ALAN SKIDMORE spielt Coltrane. Das tut er immer, auch wenn er frei spielt, wenn er improvisiert oder Sängerinnen begleitet ist Coltrane dabei. Sein Geist schwebt im Sound der Musik, aber zu hören ist, live oder auf dieser Doppel-CD, etwas Radikaleres im Ausdruck, Alan Skidmore als Original! Er hat ein langes musikalisches Leben durchlaufen, geprägt in wilden Free Jazz Jahren, in Big Bands und dann wieder in der Besinnung auf Trane im Quartett. 


JW 172 | PERRY ROBINSON/THEO JÖRGENSMANN/GIANLUIGI TROVESI/BERND KONRAD u.a. - CLARINET SUMMIT

PERRY ROBINSON clarinet & whistle / THEO JÖRGENSMANN clarinet & low-g clarinet / GIANLUIGI TROVESI alto clarinet/ BERND KONRAD soprano saxophone, clarinet & bass clarinet / ALBRECHT MAURER violin / SEBASTIAN GRAMSS double bass / GÜNTER 'BABY' SOMMER drums & percussion + ANNETTE MAYE clarinet 

Im November 2015 trafen sich nach einer Unterbrechung von 35 Jahren einige Mitglieder des vom SWF veranstalteten Clarinet Summit, um miteinander zu musizieren. Zu dem von Joachim-Ernst Berendt und mir zusammengestellten Summit gehörten damals führende Klarinettisten der internationalen Jazzszene wie John Carter, Perry Robinson, Gianluigi Trovesi, Bernd Konrad und Ernst-Ludwig Petrowsky.                                                                      
2015 waren die Klarinettisten Perry Robinson, Gianluigi Trovesi, Bernd Konrad und Theo Jörgensmann mit von der Partie. Der Schlagzeuger Günter 'Baby' Sommer, der auch zu den Musikern gehörte, die beim Clarinet Summit 1980 mitmachten, wurde 2015 wieder zum Summit eingeladen. Neu hinzu kamen der Kontrabassist Sebastian Gramss und der Geiger Albrecht Maurer.   In gelöster freundschaftlicher Atmosphäre und in einem Spannungsfeld von Jazz und neuer Improvisationsmusik gab die Gruppe vier erfolgreiche Konzerte. Das Frankfurter Konzert wurde mitgeschnitten und ist nun auf dieser CD zu hören. Zusätzlich zu diesen Aufnahmen aus Frankfurt enthält die CD ein Stück, das 2016 in Düsseldorf aufgenommen wurde und auf dem Perry Robinson und Gianluigi Trovesi verhindert waren und durch die Kölner Klarinettistin Annette Maye ersetzt wurden.

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JW179 JONAS BURGWINKEL - MEDUSA BEATS
BENOÎT DELBECQ  PIANO & ANALOG SYNTHESIZER / PETTER ELDH DOUBLE  BASS / JONAS BURGWINKEL  DRUMS

MEDUSA BEATS zelebrieren fluoreszierende hundertarmige Musik, die sich schwerelos von anderen Pianotrios abhebt. Pulsierende Rhythmen verbinden sich scheinbar zufällig mit weitgespannten Linien. Diese neue internationale Band featured drei vorauseilende, preisgekrönte Ausnahmemusiker, die als Bandleader wie auch als Sidemen internationale Erfolge feiern. Sie sind Künstler, die die Musik von Gestern und Heute mit Morgen verbinden und dabei virtuos die Grenzen ihrer Instrumente neu erfinden. Das macht sie zu drei führenden Persönlichkeiten in der internationalen Festivallandschaft und führte sie zusammen mit Musikern wie Lee Konitz, Django Bates, Evan Parker, Chris Potter, John Scofield, Marc Ducret, Jim Black, Mark Turner, Steve Lacy, Taylor Ho Bynum, Jean-Jacques Avenel, John Taylor, Joachim Kühn, Fred Hersch, Mark Helias, François Houle, Gerry Hemingway, Uri Caine und vielen anderen.


JW183 | UWE OBERG/HEINZ SAUER – SWEET REASON
UWE OBERG piano / HEINZ SAUER tenor saxophone

Heinz Sauers Einspielung mit Bob Degen Ellingtonia Revisited von 1980 gehört zu meinen Lieblingsplatten – na klar wollte ich mit Heinz Aufnahmen machen.
Wir hatten über die Jahre immer wieder mal miteinander gespielt, zu zweit oder im Quartett. Im Juni 2017 dann ein Konzert auf dem altehrwürdigen Festival in Peitz. Danach Aufnahmen im rbb-Studio in Berlin. Improvisierte Musik ist immer abhängig von den akustischen Gegebenheiten: Wie klingt der Raum, der Flügel, wie mischen sich die Instrumente im Raum, was kommt zu uns zurück –  das rbb-Studio klingt grandios!
Wir wollten so frei wie möglich spielen: das setzt einen Prozess in Gang, beide hatten wir Stücke mitgebracht, die wir mit maximaler Offenheit spielen wollten, das Ganze sollte spontan sein. So kam es, dass mein Stück Due to... einen ganz anderen Charakter bekam als ursprünglich geplant. Hafenrundfahrt von Heinz bezieht sich auf das gleichnamige Gemälde von Johannes Heisig und ist diesem gewidmet. Mit seiner wundervollen Melodielinie hat es mich irgendwie an Coltrane erinnert (Heinz widerspricht!), wenn es auch purer Sauer ist. Auch hier haben wir zusammen neue musikalische Farben gefunden, die Absprachen waren minimal.
In der freien Improvisation steht man eigentlich nackt da, man fängt an, schaltet alle Sinne ein und gibt sich dem freien Fluss der Eingebung und Kommunikation hin. Wir probieren nichts aus, alles ist so gemeint, wie es gespielt wurde. Wie folgt man einander. Wo geht die Musik hin. Ein paar rote Fäden sind Sound, melodischer Verlauf, Textur, Rhythmik – das klingt vielleicht technisch, ist es aber beim Spielen überhaupt nicht. Emotionen sind immer da, wir vibrieren miteinander im Sound. Wir genießen die Herausforderung, das Ungewisse.
Empfindungen entstehen ohnehin beim Zuhören, die Musik macht etwas mit uns. Aktives Zu- und Hineinhören, das braucht die Musik. Holen Sie sich etwas raus! Twombly entstand im Studio als Trilogie, die einzelnen Parts sind noch hörbar. Chant ist eine Minimal-Komposition von mir, wir haben sie am Anfang und am Ende der Aufnahmesession gespielt, und so ist sie auch auf CD verewigt. Der CD-Titel Sweet Reason bezieht sich auf ein wunderschönes kleines Tal im Taunus, das uns beide verbindet: Süßes Gründchen. Uwe Oberg

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JW178 AERES

MATTHIAS BAUER - DOUBLE BASS
FLOROS FLORIDIS - ALTO SAXOPHONE, CLARINET & BASS CLARINET

Man kann sie nicht aufhalten. Diese Musik. Sie spielt und dann ist sie weg. Wie der Wind.

Der Wind kann heftig und stark oder weich und streichelnd sein. Er kann in deinen Ohren dröhnen, den Duft von nahen Blumen herüberwehn, den Sand der Wüsten bringen, oder er kann schreien und all deine Aufmerksamkeit und deine Zuwendung verlangen.

Die Stücke dieser CD haben die Namen der Winde: Winde des Mittelmeers, des hohen Nordens und des tiefen Südens. Winde, die einem sagen, man soll zu Hause bleiben oder hinausgehen und sich der Welt stellen. Diese Musik begleitet den Zuhörer und provoziert all diese verschiedenen Stimmungen, erhöht gute oder schlechte Schwingungen.

Man kann den Wind nicht halten, und man kann ihn nicht wirklich beschreiben: Der große Filmemacher Joris Ivens machte einen Film - sein letzter, als er schon 90 Jahre alt war - über den Wind… er ging nach China und suchte nach einer Möglichkeit, den Wind zu beschreiben... Und immer wieder stellte er die Unmöglichkeit fest, ihn darzustellen.

In dieser Musik teilen sich Matthias Bauer am Bass und Floros Floridis mit Reeds einen Dialog, der manchmal hart, manchmal weich ist... immer auf der Suche nach dem Anderen, den Anderen hörend, das Beste von einander aufbewahrend.

Der Zuhörer kann dabei fluchen oder träumen, aber immer wird er sich mitten in einem Sturm von Musik befinden, ein Sturm, der aus der Authentizität dieser beiden Musiker kommt. 
Jeanine Meerapfel - Filmemacherin - Berlin, 26. Februar 2017

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JW180 BEHIND HER EYES

STEFAN SCHULTZE PIANO
PETER EHWALD TENOR SAXOPHONE
TOM RAINEY DRUMS

Dieses Paradoxon sei erlaubt: das vorliegende Trioalbum ist eine wunderbare Trioeinspielung, weil sie ein so vielschichtiges, herrliches Duo-Musizieren dokumentiert. Peter Ehwald und Stefan Schultze, inzwischen Träger prominenter Musikpreise, kennen sich seit bald zwanzig Jahren, seit ihrer Zeit der Aufnahmeprüfung fürs Musikstudium. Vielfache gemeinsame Projekte haben sie miteinander realisiert, sind sich gegenseitig entscheidende Inspirationsquellen und Kritiker geworden. Den Schlagzeugstar der New Yorker Downtown Szene, Tom Rainey, bewundern beide schon seit langem. Letztes Jahr hat sich die Gelegenheit zu einer gemeinsamen Tour der drei ergeben, und an einem freien Tag in Berlin haben sie gemeinsam diese CD aufgenommen. Es gibt nicht viele Schlagzeuger, mit denen das Wunder vollendeter offener Triomusik derartig überzeugend gelingen kann wie mit dem fast 59-jährigen Amerikaner. Er ist ein begnadeter Klangrhythmiker und Klangmelodiker, ein Meister des subtile Strukturen generierenden Ex-tempore-Komponierens. Er ist Katalysator und doch gleichzeitig existenziell Beteiligter. In seinem Umfeld vollzieht sich offenes Triospiel immer wieder als intensives Duo-Musizieren mehrerer Beteiligter gleichzeitig; quasi analog zum chemischen Paradigma ringförmig wechselnder Valenzen interagiert jeweils duogemäß jeder mit jedem – und das mit einer fast asketisch konzentrierten Kultur des Zuhörens. Statt Powerplay-Einheitsbrei entstehen so abwechslungsreiche, beglückende Begegnungs-Miniaturen – vor allem dann, wenn sich die Beteiligten wie bei diesem Treffen auf eine Balance von auskomponierten und freien offenen Formen verständigen.
Zu dem Umgang mit dem Material bemerken Stefan und Peter: "Unsere Herangehensweisen auf dem Album sind sehr verschieden. Das was vorauskomponiert ist, ist oft sehr prägnant und bestimmend für die Ästhetik der einzelnen Tracks, trotzdem ist das Ziel, darüber zu stehen und so frei wie möglich damit umzugehen und Gedanken weiterzuspinnen. Es fühlt sich in der Besetzung eher so an, als ob man ständig, während man spielt, die Kompositionen erweitert, weiter komponiert und neue Gedanken hinzufügt. Es soll kein Bedienen einer vorgefertigten Idee sein."
Die Reihenfolge der Stücke wurde erst nach den Aufnahmen festgelegt. Dabei besticht das Programm mit strenger Stringenz. Tong-Gu entpuppt sich nach einer Reihe von eher offenen, freieren Stücken zu Beginn des Albums als Gravitationszentrum, bei dem die Betonung des Sprechgestus des Musizierakts eine immer größere Rolle spielt. Faszinierend ist dabei, dass alle drei Musiker mit Ehrfurcht gegenüber dem Klang des eigenen Instrumentes spielen und die so implizierte Respektgrenze selbst in Phasen des intensivsten bohrenden Suchens nicht überschreiten. Die Entstehungsgeschichte von Tong-Gu verweist unmittelbar auf das Sprachgestische. Stefan hat es geschrieben, als er auf einer einmonatigen Residenz des Goethe-Instituts in Shanghai war. Im Chinesischen hat ein Wort - anders ausgesprochen - oft eine andere Bedeutung. Ohne korrekte Betonung der Wörter kann man nicht verstanden werden. Die Komposition spielt mit dem Gedanken der Umdeutung, jedoch nicht im Bereich der Tonhöhe, sondern in dem der Rhythmik; so wird im Thema der Komposition jeder Takt immer wieder rhythmisch umgedeutet, und es entstehen neue Bedeutungen. Das Wort Tong-Gu, mit Bindestrich geschrieben, ist ein Fantasiewort. Tong bedeutet sich ähneln und sich gleichen, ist aber auch ein Synonym für ein Zusammenkunftsplatz und eine Geheimverbindung, die in den USA und in Kanada entstand. Gu ist der Gott des Eisens und des Krieges.
Der aufmerksame Zuhörer wird auch an anderen Stellen des Albums immer wieder überraschende Entdeckungen machen, etwa beim Eingangsstück Edgewise, das als Hommage an die Musik von Morton Feldman angelegt ist und Klangverwandtschaften und das nicht determinierte Eintreten von Ereignissen thematisiert. Entdeckungsabenteuer satt gibt es auch bei Lucky Number, der Glückszahl in der Mathematik, die in diesem Stück für Reihen und deren freie Bearbeitung steht; die einzelnen Motive, die etwas kantig und sperrig wirken, werden mehr oder weniger auf Zeichen gespielt, und die Musiker müssen sich dabei manchmal einfach auch auf ihr Glück verlassen.
Neben den Stücken mit klar umschriebener Konzeption gibt es spontan im Studio als Improvisationen entstandene Tracks. Das Titelstück Behind Her Eyes gehört dazu und unterstreicht in schöner Vielschichtigkeit den offenen Ansatz dieses Trios mit seinem großen Interpretationsfreiraum und dem Verzicht auf eng Festgezurrtes.
Letztlich muss die Musik für sich selber sprechen, wie Miles Davis immer betonte. In diesem Sinne ist Behind Her Eyes ein äußerst beredtes Album.      Thomas Fitterling



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VÖ 21.11.2016 JW169

Julie Sassoon, deren Spiel gerne mit Keith Jarretts legendärem Köln Concert verglichen wird, oszilliert zwischen Komposition und Improvisation: aus fein gewirkten, facettenreichen Klangclustern von hohem assoziativ imaginativem Ausdruck, gebunden und offen zugleich, entsteht eine flirrend schwebende Musik, die sowohl meditative Ruhe als auch nervöse Unruhe zu vermitteln vermag. Fragile Zartheit kontrastiert mit kraftvollem Ausdruck.

In ihrem Quartett, das stilistische Grenzen etwa von Jazz und Minimal souverän  überwindet, hat Julie Sassoon drei Mitmusiker gefunden, die diese Qualitäten und ihre Impulse sensibel aufnehmen, weiterführen, erweitern und kontrastieren. Das auf  Kompositionen beruhende musikalische Konzept eröffnet zudem neue Räume für Dialoge und Soli, in denen die einzelnen Musiker, alle versiert durch vielfältige Zusammenarbeiten in unterschiedlichen Genres, Raum für Eigenes erhalten.

Lothar Ohlmeier (sax, clar) fügt der Musik neben einer kongenialen Begleitung in seinen Soli kräftige Impulse hinzu, deren entschiedene Entschlossenheit den zuweilen schwebenden Sound mit festen Pfeilern stützt.

Meinrad Kneer am Kontrabass verleiht den Kompositionen eine dunkle, warme Grundierung, zupft, streicht und schlägt und steuert sowohl ein zurückhaltend solides rhythmisches Korsett als auch ganz eigenständige klanglich-melodische Eskapaden bei.  

Rudi Fischerlehner gehört zu den Schlagwerkern, die das traditionelle Drum-Konzept von Takt und Rhythmus um ein nervös anmutendes Sound Erzeugen zu erweitern vermögen, was gut mit Sassoons Pianospiel korrespondiert.

Im Konzert entwickelt sich ein intensives, sensibles Zusammenspiel, das sich als Fixpunkte an den Kompositionen von Julie Sassoon orientiert, diese ausfüllt, weiterführt sowie mit verschiedenen individuellen Einflüssen zu neuen musikalischen Texturen verwebt. Diese Musik versteht den Zuhörer auf eine innere Reise mitzunehmen, bei der die musikalischen Eindrücke reichhaltige Empfindungen und Bilder hervorzurufen imstande sind.

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Review und CD Tipp der Woche im Radio
BR Klassik
Vorstellung der CD als Tipp der Woche, 01.12.2016 im BR Klassik
ab 16:05 RADIO Leporello Musik, Aktuelles aus der Klassikszene & CD-Tipp
CD-Tipp 

Gleich das erste Stück der CD heißt "Cloud", also Wolke. Ob das einfach nur ein Bild ist, oder ob es mit Wolken der Vergangenheit zu tun hat, bleibt offen. Julie Sassoon, in England geboren, lebt in Deutschland, dem Land, in dem viele Angehörige ihrer 1939 emigrierten Vorfahren im Konzentrationslager ermordet wurden. Doch die Pianistin, die einen Deutschen geheiratet hat, stellt sich diesem Land. Und schreibt und spielt in ihm besonders bewegende Töne. Es sind Töne von starker Innigkeit. Töne einer leisen, unaufgeregten Kommunikation mit weit offenem Horizont. Denn das neue Quartett der Pianistin wirkt musikalisch wie die Verlängerung ihrer eigenen Fingerspitzen. Ganz hohe Sensibilität, sehr feines Aufnehmen und Weitergeben von Impulsen. Ein Ensemble, das sich wie ein Organismus bewegt - getragen von gemeinsamem Atem.

VIELFACH SCHATTIERTE EMPFINDUNGEN

Spannend: Ein Stück, dessen Beginn wie eine sachte Berührung klingt, heißt "Expectations", Erwartungen, Aussichten. Man merkt - und hört und spürt: Die Empfindungen, die diese Musik ausdrückt, sind vielfach schattiert - nirgends eindimensional. Klarinettist und Saxophonist Lothar Ohlmeier ist auch Teil von Julie Sassoons Duo "Inside Colours": Farben von innen. Im Quartett mit Meinrad Kneer am Bass und Rudi Fischerlehner am Schlagzeug finden diese Farben neue Abtönungen: Sie ziehen Spuren in einem Raum, den alle vier Musiker gemeinsam erkunden. Das kann auch mal ganz quirlig sein.

TÖNE, DIE KEINEM KLISCHEE FOLGEN

Und oft ahnt man nicht, wie sie weitergehen könnte, diese aufregende Kammermusik in Jazz-Besetzung. Aus den Wörtern für die Zahl vier und für Lied oder Weise setzt sich der Titel der CD zusammen: "Fourtune". Das erinnert an "Fortune", also Glück, Reichtum. Und das trifft es ebenfalls: eine schillernd-schöne Musik mit vielen Facetten. Musik, die zu berühren weiß mit Tönen, die keinem Klischee folgen, sondern sich dem Hörer auf ganz eigene Art nähern.


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Review on all about jazz

Fourtune is British pianist-composer Julie Sassoon's first quartet recording.
Sassoon's musical approach draws in equal measure on her classical training and on a love of jazz and improvised music. This marriage goes far beyond the translation of a pianistic technique from one musical area to another but becomes something far deeper and more powerfully emotionally moving in her hands. 

The CD features life-and musical partner Lothar Ohlmeier on reeds, along with a remarkably strong rhythm pairing in bassist Meinrad Kneer and drummer Rudi Fischerlehner. From the outset, the sense is of a group where the primary virtues are mutual respect, empathy and a confidence in each other's abilities. Its gently punning title is no accident. 

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JW 160 - 3 CD BOX
A TRIBUTE TO ORNETTE


JW 079 - DAVE LIEBMAN GROUP | TURNAROUND - THE MUSIC OF ORNETTE COLEMAN .Viel wurde schon geschrieben über das musikalische Erbe von Ornette Coleman, über seinen 'harmelodischen‘ Ansatz und seinen allgemeinen Einfluss. Allein seine frühen Aufnahmen aus den späten 1950er und frühen 1960er Jahren und aus dieser Zeit insbesondere die Doppelquartette von 'Free Jazz' reichen aus, um ihm einen Platz in der Musikgeschichte zu sichern. Wie in jeder großen Musik ist es auch hier der Geist, der am hellsten strahlt. In Ornettes Musik waltet der Geist der Freude, der alles durchdringt und dem es zu verdanken ist, dass alle seine Kunst so sehr lieben. Seine Musik ist Ausdruck einer unbändigen Lebensfreude. Erhebend und traurig, verspielt und todernst zugleich, umfasst sie das gesamte Spektrum der menschlichen Existenz. In tiefem Respekt vor einem wahren Individualisten und Meister seines Metiers hoffe ich, dass Ihnen unsere Ornette-Coleman-Reise gefällt. Dave Liebman .


JW 115 - BRÜNING/GRIENER/PETROWSKY/PRINS | ORNETTE ET CETERA Der gründlichste Weg, ein Vorbild zu verfehlen, besteht darin, es zu imitieren. Hier aber wird die Musik von Ornette umspielt und assoziiert, ergänzt durch eigene Spontankompositionen, niemals nachgeahmt. Aus dem Fundus von Ornette Coleman zu schöpfen bedeutet, aus dem Fundus der Freiheit zu schöpfen. Das Et cetera wird nicht zur Floskel, sondern zum Bestandteil des Wesentlichen: im Übrigen, und so fort, eines fließt aus dem anderen. Musik aus dem Geist von Coleman weist über Ornette hinaus. Seine Kompositionen sind allenfalls Startrampen für die von ihm rhetorisch gestellte Frage "Was spielt man, wenn man das Thema gespielt hat?" Dieses exzeptionelle Quartett beflüget sich nicht nur bei dessen Hommage à Ornette, sondern auch und vor allem beim Et cetera. Als 'Union of Sounds' fliegen die Vier durch den Raum, ganz im Sinne von OC, der einmal sagte: "Es ist möglich, unisono zu spielen, auch wenn jeder eine andere Tonart intoniert." Das Quartett folgt seinem Leitbild in der Perfektion des Unperfekten, in der Sinngebung des Zufälligen, in der Intuition, mit der die individuellen Stimmen etwas Gemeinsames gestalten: eine Art mobile Architektur. Auch der Ort, an dem die Aufnahmen zu dieser CD entstanden, lässt neuere Jazzgeschichte aufleuchten. Das Ernst-Ludwig Petrowsky jahrzehntelang vertraute Studio im Komplex des ehemaligen DDR-Rundfunks – eine Insel, eine Klangkapsel inmitten des Verfalls – inspirierte die Aufnahmesessions. In kürzester Zeit wurde das Gültige dem Moment abgetrotzt.                                                                                  

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JW 154 - ORNETTE COLEMAN | LIVE

Free Jazz, eine Kollektivimprovisation von Ornette Coleman, vor Weihnachten 1960 in New York für Atlantic Records aufgenommen, gab einem Neuen Musikstil im Jazz den Namen. Fortan war Ornette Coleman Wegbereiter und Motor dieser Musik und blieb weiterhin stilbildend. Er starb am 11. Juni 2015 mit 85 Jahren.                                                                                       Ulli Blobel

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